Anja Simmank

Gastwirtin der Burger Kolonieschänke


Schon als kleines Mädchen zeigte sich die 1972 in Forst geborene und in Guben aufgewachsene Anja für den Gastronomiebereich aufgeschlossen. Schuld an dieser sehr zeitigen Orientierung auf ihren späteren Beruf hatten - ihre Eltern. Meist sprechen Eltern den Wunsch aus, was ihr Kind werden sollte. Bei Anja war es nicht so, hier zeigten ihr die Eltern unbewusst und ohne es zu merken, wo es später mal langgehen könnte. Beide waren Energiearbeiter und wollten sich auch mal einen etwas anspruchsvolleren Urlaub gönnen. Nicht nur Zelten an der Ostsee, so wie es im Sommer Tradition war, sondern Städtereisen durch die Republik, in den kleinen Ferien, mit Abstieg in den besseren Hotels waren ihr Faible. Die kleine Anja konnte sich dort nicht sattsehen: Die flinken und flotten Kellenrinnen und Kellner, die sich wie von Zauberhand öffnenden Türen, die schönen und schmackhaften Gerichte – damit wollte sie einmal etwas zu tun haben. So kam es dann auch. Die Lehre im noblen Forster Restaurant „Am Kegeldamm“ beim hochverehrten und immer noch in Freundschaft verbundenen Lehrausbilder Ingo Busse wurde bestens absolviert. Mit der Wende kam dann das Aus für die Gaststätte und das ganze Team begab sich auf die Suche nach etwas Neuem. Vielsprechende Pläne von Freunden lösten sich bald in Schall und Rauch auf. Es blieb nur der Weg, sich wieder als Kellnerin anstellen zu lassen. Im Cottbuser Waldhotel fand sie eine interessante und verantwortungsvolle Arbeit. Aber sie wollte noch mehr leisten, fühlte sich auch zu mehr in der Lage. Viele Jahre sammelte sie zahlreiche Erfahrungen und fühlte sich für neue Aufgaben gewachsen. Sie übernahm als Geschäftsführerin das zur Firmengruppe pro gastra gehörende „Double Inn“ und leitet es bis 2000. Dort erlernte sie das „Handwerk der Barkunst“, wie sie es nennt.


Das ständige Nachtleben zehrte an ihrer Gesundheit. „Es war einfach an der Zeit, Veränderungen herbeizuführen. Immer nur dienen geht nicht, einmal muss ich auch für mich selbst etwas tun“, lauteten ihre damaligen Überlegungen. Zu ihren Kindheitsträumen gehörte auch, mal auf einem Kreuzfahrtschiff tätig zu werden. Aus nachvollziehbaren Gründen ging das damals nicht, nun aber war die Zeit in jeder Hinsicht reif dafür. Auf der „MS Berlin“ heuerte sie an, allerdings nur für eine Fahrt. Der Job auf einem solchen Schiff hatte sehr wenig mit ihren Träumen zu tun. Enttäuscht ging sie wieder von Bord – und an Bord. Auf einem Flusskreuzfahrtschiff wollte sie es nun doch noch einmal wissen. Ein halbes Jahr lang fuhr Anja Simmank auf Seine und Rhone rauf und runter, quer durch Frankreich. „Ich brauchte mir keine großen Gedanken um Organisation und Kalkulation machen, und das Team war wie eine große Familie“, schätzt sie diese für sie sehr wichtige und angenehme Zeit ein. „Es war endlich mal auch eine Verlagerung von der Nacht in den Tag, etwas, was mir gut getan hat.“


Anja Simmank wurde mit der Geburt ihres Sohnes Paul 2003 ein wenig nachdenklicher, sensibler. Die Verletzlichkeit und Einmaligkeit des Lebens trat für sie sichtbar hervor. Vegetarierin war sie schon seit 1997, nun wollte sie noch mehr für ihre und für die Gesundheit ihres Kindes tun. Der „Bio-Gedanke“ ergriff immer mehr Raum: Mit der schrittweisen Umstellung auf Naturprodukte, bis hin zur veganen Ernährung, verbesserte sich auch ihre Gesundheit. Ihre Allergien verschwanden plötzlich und sie fühlte sich wieder leistungsfähiger. Das war die Geburtsstunde grundsätzlicher Überlegungen: Machen wir das in der Gastronomie überhaupt richtig? Ist ein randvoller Teller für den Gast das Ziel oder ist es Ziel, ihm eher Gesundheit zu verkaufen? Ihr ökologisches Denken ergriff immer mehr Raum und verlangte schließlich nach Umsetzung. Die Gelegenheit dazu ergab sich 2007 durch die Übernahme der Burger Kolonieschänke. Sie gehörte zur gleichen Firmengruppe wie das Waldhotel. Bis zu diesem Zeitpunkt war Anja in dem Cottbuser Hotel für die Arrangements und für den Veranstaltungsservice zuständig – ein wertvolles Erfahrung sammeln für die Übernahme der Burger Gaststätte. „Bei aller Überzeugung liegt es mir fern zu missionieren, jeder soll seinen Weg zu seiner Ernährung finden. Ich verwende lieber meine Energie darauf, immer wieder neue Ideen zu einer abwechslungsreichen und gesunden Ernährung zu entwickeln“, lautet einer ihrer Grundsätze. In ihrer Gaststätte kommt nur auf den Tisch, was sie selbst essen würde, was sie der Herkunft nach auch kennt. Und natürlich auch das, was sich der mündige Gast wünscht – so viel Zugeständnis muss sein. „Ehrlichkeit. Das ist unser Motto, damit wollen wir mit unserem biologisch ausgerichteten Konzept punkten. Ehrlich, ordentlich, sauber, herkömmlich und mit viel Handarbeit geht es bei uns zu“, fasst sie zusammen. Ihre Küche ist transparent, jeder kann, wenn er es möchte, bei der Nahrungszubereitung zusehen. „Das ist unserer Ehrlichkeit dem Gast gegenüber geschuldet!“


Anja Simmank pendelt immer noch täglich zwischen Cottbus und Burg. Daran wird sich auch in nächster Zeit nichts ändern. Sohn Paul besucht die Musikschule, auch gemeinsam mit seiner Mutter. Beide lernen Gitarre. Mal etwas für sich tun … damit schließt sich der Kreis ihrer Überlegungen. „Dienen am Gast ist wichtig, das Dienen an sich selbst darf dabei nicht vernachlässigt werden“, - ein weiterer Grundsatz. In Gedanken ist sie dennoch schon wieder beim Dienen. Umbauten sind geplant, manches muss erneuert werden … „Das Paket muss stimmen!“, ist sich die Chefin des Bio-Gasthauses sicher.

Peter Becker/peb1, 06.12.13

www.kolonieschaenke.de

 

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