Arno Ballaschk

Sagengeisterbrennerei Burg

Fotoalbum

Arno Ballaschk – vom Fernmeldetechniker zum Destillateur


Arno Ballaschk wuchs wie viele Burger Kinder in einer landwirtschaftlich geprägten Umwelt auf. Die Eltern, Arnold und Ruth Ballaschk, wohnhaft im Burger Nordweg, betrieben vorrangig Gemüseanbau. Mit Gurken und Meerrettich hielten sie sich über Wasser - viel Arbeit, auch für die sieben Söhne. Arno, 1959 der Viertgeborene, musste da ebenso ran, wie seine Geschwister. Als der Vater frühzeitig verstarb, schien ihnen die Arbeit über den Kopf zu wachsen. Doch die Mutter meisterte alles, schließlich konnte sie sich auf ihre Jungs verlassen, die nach der Schule auf den Feldern und bei der Ernte halfen.
Nach der zehnten Klasse begann Arno Ballaschk eine Lehre als Fernmeldetechniker bei der Deutschen Post in Cottbus. Die Anregung dazu kam vom Opa, der schon bei der Post arbeitete. Als Facharbeiter im Außendienst blieb er in Cottbus, unterbrochen nur von der NVA-Grundwehrpflicht. Mit der Wende wurde er von der Telekom übernommen und blieb bis 1999 im Außendienst, dann folgte bis 2006 eine Bürotätigkeit als Kundenberater. Zwischenzeitlich heiratete er die Burgerin Katharina Jakubik, die Kinder Martin und Sophie kamen zur Welt. Die Familie der Frau unterhielt in der Burger Schwarzen Ecke einen alten Wirtschaftsgarten. Dort wurde ein altes Gebäude zum Wohnsitz der jungen Familie umgebaut. Sein Arbeitgeber, die Telekom, lockte Arno Ballaschk bald mit immer besseren Abfindungen aus dem Beruf. „In dieser Zeit habe ich ohnehin schon über Alternativen nachgedacht. Da ich mich schon immer selbstständig machen wollte – fünf meiner Brüder waren es bereits- nahm ich das Angebot an“, erinnert er sich an die entscheidungsschwere Zeit. Bei einem guten Freund im Schwarzwald hatte er gesehen, wie der eine kleine Brennerei betrieb. „Für mich war das ein schönes altes Handwerk mit viel Tradition und jeder Menge Spielraum für Experimentelles“, schätzt er rückblickend ein. Von der Idee besessen, auch im Spreewald die Brenntradition wiederzubeleben, studierte er alte Schriften, legte einen Brennerlehrgang in Hohenheim ab und machte sich ans Werk. Zuerst ging es um weitere Umbauten in der Schwarzen Ecke. Ein altes Stall- und Wirtschaftsgebäude wurde saniert und darin die Brenntechnik untergebracht. Der Tüftler hat eine in Deutschland einmalige Anlage errichtet: Normalerweise gibt es zwei Brennkessel, einen für den geschlossenen Brand und einen für den offenen Brand. Geschlossener Brand deswegen, weil der Staat das Monopol hat und sich jeden Brennvorgang bezahlen lässt. Insgesamt 39 Plomben sichern dem Zoll den korrekten Ablauf, so dass er 13,03 Euro je Liter gebranntem Alkohol abkassiert. Danach kann der Destillateur im offenen Kessel den Feinbrand auf seine Rechnung und nach seinem Gutdünken vornehmen. Arno Ballaschk hat es geschafft, für beide Vorgänge einen Kessel benutzen zu dürfen. Mit einem Dreiwegehahn hat er eine technische Neuerung auf den Weg gebracht, die ihm in Brennerkreisen hohe Anerkennung und dem Zollamt etwas Arbeit verschaffte. Den Beamten war es nur wichtig, dass trotzdem der Rohbrand ordentlich abgerechnet werden konnte – was auch gelang.
Arno Ballaschk stellt seit seiner Gewerbeanmeldung im Jahr 2008 inzwischen zahlreiche Sorten an Obstbränden her. Liköre und Obstgeiste sowie Whisky ergänzen das Sortiment. Durch einen Erweiterungsbau gibt es inzwischen auch ein Café, in dem Gattin Katharina ihren in der Umgebung hochgepriesenen Blechkuchen anbietet. Der kürzlich zu Dreharbeiten in der Destille anwesende Fernsehmoderator Max Mohr lobte diesen über alle Maßen: „Jede Menge Butter und Zucker! Lieber ein Stück weniger essen, dafür jedes Krümel genießen!“
Inzwischen ist die Brennerei bei Urlaubern wie Einheimischen eine feste Adresse und beliebter Anlaufpunkt für Fahrradtouristen. Die Spreewälder Sagengeister passen zu den hochgeistigen Getränken: Auf jeder Flasche befindet sich eine Sage auf dem rückseitigen Etikett, das Getränk selbst ist nach einer Sage benannt. Der Wildpflaumenlikör beispielsweise nach den Lutki, den dienstbaren Geistern im Spreewald, der Williams-Christ-Brand nach der Mittagsfrau.
Im Herbst, wenn es ruhiger wird und die Gäste fernbleiben, arbeitet Arno Ballaschk schon für die nächste Saison: Er erntet Obst und kauft von anderen Spreewäldern auf. Eine zentrale Rolle bei seinen Obstbränden spielt der „Belger“. Der Großvater seiner Frau, Emil Morkisch, hatte Apfelreiser aus dem 1. Weltkrieg aus Belgien mitgebracht und damit die heimischen Obstbäume veredelt. Erst kürzlich hatte Arno Ballaschk die Sorte bestimmen lassen und erfahren, dass der sehr schmackhafte „Belger“ ein Rosenapfel der Sorte Kalterer Böhmer ist.
Obst muss eingemaischt werden, die Brände werden später in Flaschen abgefüllt und etikettiert – alles in Handarbeit. Mit der selbstgebauten Korkmaschine verschließt er Flasche für Flasche. Manche kommt in den Geschenkkasten, den ihn eine Cottbuser Behindertenwerkstatt zuarbeitet. Der Rest kommt in die Regale, die sich so langsam wieder für die nächste Saison füllen. Zwischendurch meldet sich auch mal „Lonka“ an. Der Hund der Familie besteht auf seinen täglichen Auslauf rings um die Schwarze Ecke. Arno Ballschk ist im Leben angekommen: Der Schritt in die Selbstständigkeit war richtig. Mit der Sagengeister-Brennerei, wie er sie treffend nennt, hat der Spreewald mit seiner uralten Brenntradition wieder ein Stück Attraktivität hinzugewonnen.

Peter Becker/peb1, 06.11.14

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