Armin Eckhard "Ecke" Zeuch

Vollblutmusiker aus Calau, Zeichentalent, Weltenbummler,...

Als Eckhard Zeuch Anfang Januar 2013 aus dem Vetschauer Orchester verabschiedet wurde, war das nur ein Abschied von einem Orchester. Mindestens zwei Formationen können weiterhin mit dem agilen 72-Jährigen rechnen: Die Lübbener Schmorgurken und das Berliner Roland Kühne Salonorchester. Und wenn die Not groß ist, springt er auch anderswo als Ersatzmann mit seiner Geige, Klarinette oder seinem Saxofon ein – je nachdem, was gerade gebraucht wird. „Wenn etwas neu für mich ist, dann die Tatsache, dass ich schon viele Smokings verschlissen, aber noch nie einen Frack getragen habe, so wie es bei den ‚Schmorgurken‘ üblich ist“, gesteht der bühnen- und lebenserfahrene Ecke, wie er von vielen genannt wird.
Es mag etwas abgenutzt klingen, wenn jemand sagt, dass Musik sein Leben sei. Bei Eckhard Zeuch reicht das noch nicht mal, zu tief steckt dieses Genre in ihm: Entweder spielt er grad mal irgendwo so ziemlich alles und auf fast allem, was verlangt wird oder er stimmt mal wieder dringend ein Klavier oder restauriert ein kostbares Instrument. Und das Multitalent kann auch noch zeichnen, sehr detailtreu, sehr realistisch.
Frühe Kindheit in Ostpreußen, in Insterburg. Flucht des Vierjährigen mit seiner Familie im Winter 1945 nach Erfurt – das sind die ersten Stationen einer anfangs wunderbaren, dann erst mal schrecklichen Kindheit. Der Vater hatte eine Gärtnerei in Insterburg und berufliche Kontakte zur Blumenstadt Erfurt, dem späteren Fluchtziel. „Aber er war nicht nur Gärtner, er war ein begnadeter Musiker. Im örtlichen Orchester spielte er Tenorhorn und Geige. Der Mann mit den Händen wie Stullenbretter konnte so gefühlvoll musizieren wie kaum ein anderer“, erinnert sich Eckhard Zeuch. Auf den Jungen wirkte das so ansteckend, dass er ein ebenso guter Musiker werden wollte. Trotz des Drängens des Vaters, was Ordentliches zu lernen. Den Technischen Zeichner hat er zwar des lieben Friedens wegen gelernt, aber kaum ausgeübt. Dafür umso intensiver die Violine. Zu seinen Lehrern damals zählte der Weimarer Professor Hansmann. Beim Grundwehrdienst war er auch mehr Musiker als Soldat. In Mühlhausen, seinem Standort, baute er in den wenigen Monaten ein Blasorchester und eine Big Band auf. Danach ging es turbulent weiter: EZ-Quartett, Sylano Quintett, evergreen juniors – DDR-Bands mit Klang, nicht nur im Namen. Mit den evergreen juniors begleitete er viele Jahre Regina Thoss, auch im westlichen Ausland. Auf Sylt spielte er zehn Jahre, fünf vor der Wende, fünf Jahre danach. Es folgten Engagements auf Kreuzfahrtschiffen, davon 25 Jahre auf der MS-Europa. „Dort konnte ich nachmittags die Flügel stimmen und abends musizieren, mal mit Udo Jürgens, mal mit Katja Ebstein, mit Heino und vielen anderen des Showgeschäfts.“ Die regelmäßige Klavierstimmerei ergab sich aus der Besonderheit des Ortes: Schwankungen des Schiffes, Klimaanlage und feuchte Meeresluft setzten den Instrumenten zu. Um nicht immer teure Stimmer von Land holen zu müssen, sprang Eckhard Zeuch eben selbst ein. „Kurt Masur lobte einmal meine Arbeit und war sehr zufrieden. Dieses Lob wiegt umso schwerer, wenn man im Nachhinein erfährt, dass Masur niemals lobt, zumindest nie Klavierstimmer“, zeigt sich Eckhard noch heute ein wenig stolz auf seine Arbeit.

Ein erstes geplantes Engagement auf einem Schiff schlug gründlich fehl: Er stand schon mit mehreren Musikinstrumenten und Gepäckstücken vor dem DDR-Urlauberschiff "Fritz Heckert", als man ihm mitteilte, dass er wegen seines im Westen lebenden Bruders nicht an Bord darf. Wohl oder übel musste er sich wieder auf den Heimweg nach Thüringen machen.
Bei seinen späteren Engagements auf den Kreuzfahrtschiffen lernte er dann doch noch die Welt kennen, wirklich kennen: „An viele Orte kam ich mehrmals, in Hongkong kannten mich schon die Kellner in meiner Stammkneipe und stellten mir wortlos mein Guinnessbier hin. In der Kneipe spielten ausgezeichnete Jazzer, alles Chinesen. Am Strand von Spitzbergen spielte ich mit dem begnadeten Vetschauer Künstler Peter Ettelt, der leider viel zu früh verstarb.“ Die Freundschaft zwischen ihm und Peter Ettelt führte dazu, dass Eckhard Zeuch in der kurzen Zeit daheim auch immer mal im Vetschauer Orchester spielte.
In Südafrika lernte er Armin Mueller-Stahl kennen. Mit dem Geiger und Schauspieler verbindet ihm seit dieser Zeit eine andauernde Freundschaft. Mueller-Stahl ist Ostpreuße, wie er („Heimat verbindet“) und ebenso musikbesessen.
„Auf der Osterinsel freute ich mich jedes Mal auf Ausritte mit dem Pferd. Neben der Musik sind Tiere und besonders Pferde meine zweite Leidenschaft“, bekennt er. Die Liebe zu den Tieren hat er ebenfalls vom Vater übernommen. In der Erfurter Gärtnerei hatten sie zahme Eichhörnchen, so zahm, dass sie dem Vater in die Jackentasche krochen und dort manchen Schaden anrichteten. Ein Eichhörnchen hat auf diese Weise den Personalausweis des Vaters vernichtet. Die Behörde, die einen Neuen ausstellen sollte, zeigt sich wenig von der „Ausrede“ überzeugt – bis der Vater das mitgenommene Eichhörnchen aus der Tasche zog. Eichhörnchen als frühes und als andauerndes Erlebnis. Seine Frau betitelt er mit „Eichhörnchen“ – immer und überall. Einer Stewardess auf dem Kreuzfahrtschiff fiel mal das Tablett vor Lachen aus der Hand, als sie das live erlebte. Gattin Jutta begleitete ihn auf mehreren Fahrten. Kennengelernt hatten sich die Calauerin und der Thüringer im Oberhofer Panorama-Hotel. Sie waren beide in New York, als die Twin-Towers fielen. Das Kreuzfahrtschiff wurde nach Philadelphia verlegt und dümpelte dort eine Zeit zwischen Kriegsschiffen aller Art, bevor es nach Tagen weiterreisen durfte.
Das Turboleben ging allerdings nicht spurlos an Eckhard Zeuch vorbei. Mal war es ein Sturz vom Pferd, der ihn kurzzeitig erblinden ließ, mal folgten weitere Augenerkrankungen, „stressbedingt, wie mir die Ärzte sagten“. Schon 1986 hatte er einen schweren Verkehrsunfall mit einem sowjetischen Schützenpanzer bei Stendal. Zertrümmerte Schulter und ein Milzriss waren die Folgen, an denen er lange zu kurieren hatte. Stürze von der Bühne, mit Knochenbrüchen und Platzwunden, will er gar nicht erst näher erwähnen, auch nicht den Herzschrittmacher. „Ich danke dem da oben, dass er mit mir so viel Geduld hat und mich immer noch im Rennen lässt“, richtet Eckhard Zeuch den Blick in Richtung Himmel. Inzwischen sind es nicht mehr die ganz großen Momente im Leben, das Zusammenarbeiten mit den Superstars „die auch alle nur Menschen sind“. Die kleinen Gesten sind es, die ihn viel mehr berühren. In Hessen kam eine betagte alte Dame auf ihn zu und fragte ihn im breitesten Ostpreußisch, ob er denn nicht der Eckhard Zeuch aus Insterburg sei. Er bejahte es und bekam zur Antwort: „Dir habe ich immer über deine blonden Locken gestreichelt. Ich wusste, dass aus dir mal was werden wird, mein Lorbass*.“
*Lorbasch/Lorbass ist ostpreußisch und steht liebevoll für Lausbube, Schlingel…

Peter Becker/peb1, 15.12.12

 

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