Frank Kornauke

Leiter des Vetschauer Blasorchesters, Tubist im Stabsmusikkorps der Bundeswehr

Die junge Familie musste sich beeilen: Von Moskau bis Berlin im „Lada“, nahezu nonstop, nur um noch rechtzeitig heim zukommen. Am 2. Oktober 1990 trafen die Kornaukes gerade noch rechtzeitig in Berlin ein, um Stunden später BRD-Bürger zu werden. „Hätten wir uns verspätet oder wären gar in Moskau geblieben, wären meiner Frau und meinem Kind die Ausreise in das nun vereinte kapitalistische Deutschland verweigert worden“, erinnert sich Frank Kornauke. Ursprünglich wollte der NVA-Militärmusiker fünf Jahre am Tschaikowski-Konservatorium studieren, wegen der politischen Umbrüche in der Heimat wurden es dann nur knapp drei Jahre. In Moskau hatte er auch seine spätere Frau Olga kennengelernt, die dort kurz vor dem Abschluss ihres Pädagogikstudiums stand. Mit dem 6 Monate alten Baby ging es ziemlich überstürzt zurück in die Heimat. „Das Studium in Moskau möchte ich keinesfalls missen: Meine 84-jährige Dozentin brachte mir Tschaikowski so bei, dass ich ihn mit viel Harmonie spielen konnte. Ich lernte bei Oberst Poljuschin dirigieren und bei Professor Salnikow komponieren“, fasst Frank Kornauke die Moskauer Zeit zusammen.

 

Frank wuchs in Vetschau auf, besuchte dort die II. Polytechnische Oberschule und trat als Elfjähriger 1975 dem damaligen Pionierblasorchester bei, das schon 1957 von Herbert Mothes gegründet und geleitet wurde. Mit gerade mal 15 Jahren übernahm Frank die Leitung des Nachwuchsorchesters. Er ging anschließend zum Studium an die NVA-Militärmusikschule. Auch dort übernahm er nach kurzer Zeit die Leitung des Studentenorchesters. Mit dem Abschluss des Studiums 1984 erfolgte die Versetzung zum Zentralen Orchester der NVA, wo er Stimmführer der Bässe wurde. Nebenbei betätigte sich Frank Kornauke als Musiklehrer und Orchesterleiter des Pankower Pionierensembles. Mit der alten Heimat immer noch fest verbunden, leitete er das Blasorchester der Vetschauer Feuerwehr. Die DDR-Musiktage in Ruhla sollten 1987 ein Höhepunkt für das Ensembles werden, aber der langjährige Leiter erkrankte ernsthaft. Frank Kornauke übernahm kurzfristig die Leitung. Nach nur vier Proben in den zwei verbliebenen Wochen schaffte es der Klangkörper auf einen viel beachteten 2. Platz.

Frank hatte zuvor schon Erfahrungen mit der Leitung des Feuerwehrblasorchesters Vetschau gesammelt. „Hubert Masuch war ein super Manager und hat mir persönlich alle Freiräume zur künstlerischen Gestaltung des Feuerwehrorchesters gegeben. Immer wenn es in Vetschau um Musik ging, hatte wohl Hubert seine Finger mit im Spiel“, bedankt sich Frank Kornauke bei einem seiner wichtigsten Vetschauer Weggefährten.

 

Nach Dienstschluss im NVA-Orchester gab er Musikunterricht für Blechbläser an Musikschulen oder „muggte“ (MuGGe = musikalisches Gelegenheitsgeschäft) in der Berliner Blasmusikszene. Seine Vorgesetzten erkannten wohl sein Talent und schickten ihn deshalb 1988 nach Moskau zum Musikstudium. Ihrer Meinung nach hatte er das Potenzial für die Leitung eines Militärmusikkorps. Daraus wurde bekanntlich wegen der politischen Wende in der Heimat nichts, das Studium konnte er nicht beenden. Wieder in Berlin, wurde er als Tubist für zwei Jahre auf Probe im Heeresmusikkorps in der Bundeswehr aufgenommen. Es folgten zahlreiche Reisen und Auftritte im Rahmen der dienstlichen Verpflichtungen im In- und Ausland. Auch die Verbundenheit zur Heimat und den Verpflichtungen dort, bestanden auch in der Nachwendezeit ungebrochen. Der Dienst und die vielen zusätzlichen Verpflichtungen waren eine zu große Last für seine Ehe. Sie zerbrach 2002, es erfolgte eine einvernehmliche Trennung, aus der später eine freundschaftliche Verbindung zur Mutter seiner Kinder wurde.

 

Seit 2004 ist Frank Kornauke Tubist im Stabsmusikkorps. Die Konzerte sind seltener, aber die Herausforderungen um so größer. Im protokollarischen Dienst der Bundeswehr begrüßt er Staatsgäste mit militärischen Ehren. Er ist ganz nah am Staatsgast, dem Bundespräsidenten, der Kanzlerin oder den Ministern. „Wenn Millionen in aller Welt zuschauen, möchte niemand einen Fehler machen. Wir Musiker sind ganz konzentriert dabei und machen unseren Job, kein Misston darf da rüberkommen“, beschreibt er seinen Dienst im Musikkorps.

Auch um Militärmusiker machen Auslandseinsätze keinen Bogen und so kam es zu einem dreimonatigen Einsatz in Afghanistan. Frank Kornauke erinnert sich: „Die deutsche Militärmusik unterstützt die afghanische Militärmusik. In jeder Demokratie gibt es Symbole, Flaggen und so auch protokollarischen Ehrendienst. Es waren Monate in Gefahr, aber voller Herausforderung mit ausgeprägtem Kameradschaftsgeist.“

Kurz vor dem Afghanistaneinsatz hatte er wieder einmal der Pflicht gehorchend, die Leitung des Vetschauer Orchesters übernommen. Deren musikalischer Leiter Peter Ettelt war, noch in ganz jungen Jahren stehend, plötzlich verstorben und hinterließ eine nur schwer zu schließende Lücke. „Als ich den Musikverein in dieser tragischen Lage erlebte, war es für mich klar: Herberts und auch Peters Lebenswerk muss fortgeführt werden!“

 

Das Musizieren in einem Freizeit-Orchester ist schwieriger geworden. Im früheren Jugendblasorchester gab es zwei Proben in der Woche. Heute sind es gerade mal ein oder zwei im Monat, da die Musiker oft weit entfernt eine Arbeit gefunden haben und kaum Zeit für Proben finden. „Oft komme ich aus Berlin voller neuer Ideen und Elan, kann dann aber nur an einer Schadensbegrenzung arbeiten, weil wieder einmal ein oder mehrere Musiker wegen anderweitiger Verpflichtungen nicht zur Probe kommen konnten“, beklagt er ein wenig den Zustand, an dem weder er noch die Musiker etwas ändern können. Umso höher sind dann die etwas seltener gewordenen Auftritte zu bewerten, wo das Orchester, immer noch in der bekannt guten Qualität, erlebt werden kann.

 

Die Kunst steht immer ganz vorn im Leben des Frank Kornauke, manchmal auch zulasten des Privatlebens. Diesbezügliche Erfahrungen musste er schon machen. Auch sein Hausbau stand unter keinem glücklichen Stern: Gerade als er in Afghanistan war, machte sein Bauträger Pleite, viel Geld ging verloren. Doch dank „Muggen“, wie auch in der Zamperzeit im Spreewald, und mit viel Fleiß wird das Haus dann doch noch mit ein paar Jahren Verspätung fertig. Im Dachgeschoss hat er seinen 2000 gegründeten Musikverlag etabliert, der bis zu seiner Pensionierung auf Hochtouren laufen soll. Komposition und Arrangement bleiben sein Steckenpferd.

 

 

Peter Becker, 17.02.12

 

 

 

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