Franziska Zimmermann

Installationsmeisterin, Lübbenau

Franziska Zimmermann

Franziska Zimmermann – Chefin einer Männerdomäne

Den ersten (kräftigen) Eindruck hinterlässt die zierliche junge Frau bei der Begrüßung: Unerwartet fest und zupackend, wie bei einem Bauarbeiter oder Handwerker, ist ihr Händedruck. Franziska Zimmermann ist Inhaberin der TZ Haustechnik GbR Lübbenau, einer Firma mit 13 Angestellten. „Den festen Händedruck habe ich mir während meiner Ausbildung bei den Jungs abgeguckt, die wollten mich damit immer in die Knie zwingen“, erzählt sie, die nun in einer gestandenen Männerdomäne zu Hause ist und gemeinsam mit ihrem Mitinhaber und Vater Werner Zimmermann das Sagen hat.
Franziska Zimmermann, Jahrgang 1982, ist eine Expertin auf dem Gebiet der Heizungstechnik und der Energieerzeugungsanlagen. Sie ist gelernte Installateurin, Handwerksmeisterin, Ingenieurin – alleinstehend und Mutter dreier Kinder, geboren 2011, 2012 und 2016.
Obwohl sie als junges Mädchen auf dem heimischen Grundstück täglich die Firma ihres Vaters vor Augen hatte, wollte sie nach dem Abitur am Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasium ganz andere Pläne verfolgen. Reiseverkehrskauffrau sollte es sein oder Beamtin im Polizeidienst. Ersteres schlug ihr der Vater aus den Augen („Wozu hast du Abitur gemacht … !?“) und die Beamtenlaufbahn der polizeimedizinische Dienst.
Um Zeiten des neuen Suchens und Findens zu überbrücken, machte sie, praktisch aus der Not heraus, ein Praktikum in der Firma ihres Vaters. „Ich war wie aus heiterem Himmel heraus fasziniert von der Technikwelt, ich wusste plötzlich, das wird mein Beruf“, blickt sie heute auf das Jahr 2002 zurück. In Erfurt begann Franziska Zimmermann Gebäude- und Energietechnik zu studieren, neben dem Studium absolvierte sie eine Lehre als Gas- und Wasserinstallateurin, und in der Zeit, in der andere in die Semesterferien gingen, machte sie ihre praktische Ausbildung. „Ich war das einzige Mädchen, bekam aber nichts geschenkt und schenkte auch mir selbst nichts“, erzählt sie über ihre Ausbildung, die sie neben dem Studium so wichtig fand. Gehörigen Respekt hatte sie sich mit ihrem Gesellenstück verschafft: eine komplett installierte Heizungsanlage mit Brennwerttechnik. Sie schnitt dazu das Gewinde für die Fittings und Muffen mit der Handkluppe, die Jungs dagegen setzten auf Motorantrieb. Die Prüfungskommission vergab ihr die Note 1,0. Für sie ganz logisch folgte unmittelbar darauf die Meisterausbildung.
In ihrem Lübbenauer Büro hängt ihr Meisterbrief riesengroß an der Wand – nicht etwa der Facharbeiterbrief, die Fachwirtin, nicht der Bachelor und auch nicht der Master of Engineering – alles Stationen ihrer Ausbildung. In diesem Büro sitzt sie seit Januar 2012. Bis zu diesem Zeitpunkt stieg sie die Karriereleiter bei Vattenfall Europa Wärme AG steil auf, war täglich 14 Stunden von Lübbenau nach Berlin und zurück unterwegs. Ihr Weg an die Spitze des Konzerns schien vorgezeichnet, da erkrankte plötzlich ihr Vater schwer. Sie, die auf seinem Gebiet Hochqualifizierte, stieg ohne lange zu zögern in das Familienunternehmen ein und wurde Teilhaberin.
Kraft schöpft die Jungunternehmerin aus ihren Kindern Fritzi, Fria und Frido. Sie nehmen den Rest der Zeit in Anspruch und sind der Ausgleich zu ihrer Managertätigkeit.
Franziska Zimmermann beobachtet Neuerungen und neue Technologien auf dem Markt ganz genau, sie weiß, dass ihr Betrieb sich ständig den Marktbedingungen anpassen muss. Deshalb haben die beiden Inhaber sich den Umwelttechnologien verschrieben. Als Spreewälder mit eigenem Wasserzugang haben sie die Verletzlichkeit der Natur täglich vor Augen. Sie bekommt Unterstützung von ihrem Vater, der sich diesem Gebiet verstärkt zuwendet. Mit modernster Technik werden beispielsweise turnusmäßig die Leichtflüssigkeitsabscheider an Tankstellen auf Dichtheit geprüft: Ferngesteuerte Kameras tragen Bilder aus den Abwasserrohren auf den Laptop, Messegräte stellen die feinsten Abweichungen fest, schon bevor sie das Auge erfasst und Schäden verursacht werden. Franziska Zimmermann steht vor einem langen Berufsleben, sie weiß, das auch das nicht das Ende der technischen Entwicklung auf ihrem Fachgebiet sein wird.

 

Peter Becker, 03.03.13/25.09.2020

 

 

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