Franziska Zimmermann

Installationsmeisterin, Lübbenau

Eine Spreewälder Jungunternehmerin mit Eindruck


Den ersten Eindruck hinterlässt die zierliche junge Frau bei der Begrüßung: Unerwartet fest und zupackend, wie bei einem Bauarbeiter oder Handwerker, ist ihr Händedruck. Den zweiten Eindruck hinterlässt sie beim Umgang mit diesen: Franziska Zimmermann ist Teilhaberin einer Lübbenauer Haustechnikfirma mit neun Angestellten. Klar und bestimmt gibt sie ihre Anweisungen, dabei offen für Fragen und Anregungen. „Den festen Händedruck habe ich mir bei meiner Ausbildung bei den Jungs abgeguckt, die wollten mich immer in die Knie zwingen“, erzählt sie, die in einer gestandenen Männerdomäne zu Hause ist und nun das Sagen hat. Anders ist es noch bei den Kunden, beim ersten Kontakt. Hilfe suchende Männer stehen mit ihrem Heizungsproblem im Büro und warten auf den „Chef“. Franziskas Entgegenkommen wird da gern mal mit „Ach, junge Frau, da können Sie mir nicht helfen, da muss ich einen Fachmann fragen“ kommentiert. Nach einem aufklärenden Gespräch merkt der Kunde schnell, dass die Fachfrau vor ihm steht: Franziska Zimmermann, Jahrgang 1982, ist eine hoch qualifizierte Expertin auf dem Gebiet der Heizungstechnik und der Energieerzeugungsanlagen. Sie ist gelernte Installateurin, Handwerksmeisterin, Ingenieurin – und Mutter zweier Kleinkinder, geboren 2011 und 2012.
Obwohl auf dem heimischen Grundstück täglich die Firma ihres Vaters vor Augen, hatte sie nach dem Abitur am Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasium ganz andere Pläne. Reiseverkehrskauffrau sollte es sein oder Beamtin im Polizeidienst. Ersteres schlug ihr der Vater aus den Augen („wozu hast du Abitur gemacht!?“), zweiteres der medizinische Dienst, der bei ihr eine Allergie ausmachte. Um Zeiten des Suchens und Findens zu überbrücken, machte sie ein Praktikum in der Firma ihres Vaters. „Ich war plötzlich fasziniert von der Technikwelt, speziell von der Abwasser- und Kanaltechnik. Ich wusste, dass das mein Beruf wird“, blickt sie heute auf das Jahr 2002 zurück. In Erfurt begann Franziska Gebäude- und Energietechnik zu studieren, nebenbei machte sie eine Lehre als Gas- und Wasserinstallateurin. In der Zeit, als andere in die Semesterferien gingen, machte sie ihre praktische Ausbildung. „Ich war das einzige Mädchen, bekam aber nichts geschenkt und schenkte auch mir nichts“, erzählt sie über ihre Ausbildung, die sie neben dem Studium so wichtig fand. „Ich muss doch wissen, was die Jungs auf der Baustelle so machen!“ Gehörigen Respekt hatte sie sich mit ihrem Gesellenstück verschafft: eine komplett installierte Heizungsanlage mit Brennwerttechnik. Sie schnitt das Gewinde für die Fittings und Muffen mit der Handkluppe, die Jungs setzten auf Motorantrieb. Die Prüfungskommission vergab ihr die Note 1,0. Für sie ganz logisch, folgte unmittelbar darauf die Meisterausbildung. In ihrem Lübbenauer Büro hängt ihr Meisterbrief riesengroß an der Wand, nicht der Facharbeiterbrief, die Fachwirtin, nicht der Bachelor und auch nicht das Masterdiplom oder gar die I. Ingenieurin bei Vattenfall – alles Stationen ihrer Ausbildung. „Der Meister oder die Meisterin in Heizungs- und Sanitärhandwerk, das hinterlässt bei Kunden und Mitarbeitern den größeren Eindruck, das schafft Anerkennung.“ In diesem Büro sitzt sie erst seit Januar 2012. Bis zu diesem Zeitpunkt stieg sie die Karriereleiter bei Vattenfall Europa Wärme AG steil auf, war täglich 14 Stunden von Lübbenau nach Berlin und zurück unterwegs. Ihr Weg an die Spitze des Konzerns schien vorgezeichnet, da erkrankte ihr Vater. Sie, die auf seinem Gebiet Hochqualifizierte, stieg ohne lange zu zögern in das Familienunternehmen ein und wurde Teilhaberin. Ein paar Neuerungen, begründet durch ihre Erfahrungen bei Vattenfall, führte sie ein, ansonsten blieb alles beim bewährten Alten. Sie lernte Kunden und Lieferanten kennen, auch die eine oder andere Geschäftsgepflogenheit. Ihren Vater, der wieder genesen ist, aber etwas kürzer tritt, kann sie jederzeit fragen. „Werner, wie war das noch mal …, wie heißt der Kunde …?“Das kommt immer seltener vor. Ihr Vater ist auf der Arbeit der Werner. „Es wäre ja etwas komisch, wenn ich mit dem Hörer in der Hand nach Papa rufen würde!“ Neben der Tätigkeit in der Firma findet sie auch immer wieder Zeit, sich fortzubilden. Ganz neu ist ihr „Kälteschein Kategorie I“. Damit kann sie das Dienstleistungsangebot der Firma erweitern und nun auch Klimaanlagen installieren. Kraft schöpft die Jungunternehmerin aus ihren zwei kleinen Mädchen, Fritzi und Fria. Sie nehmen den Rest der Zeit in Anspruch und sind der Ausgleich zu ihrer Managertätigkeit. Anfangs pendelte sie noch zwischen Büro und Kinderzimmer, glücklicherweise alles ganz nah verbunden. Seit Kurzem hat sie Unterstützung von ihrem Lebensgefährten Frank, den sie seit ihrem Erfurter Studium kennt. Er ist ebenfalls hoch qualifiziert und hat in Leipzig Arbeit gefunden. Sein Büroplatz wird für die nächste Zeit verwaisen, denn er geht in die elfmonatige Elternzeit. Die junge Mutter kann sich dann voll und ganz auf ihre Arbeit konzentrieren und findet dann vielleicht auch wieder ein halbes Stündchen für den geliebten Sport. Auf dem Fahrrad oder den Inlinern wird sie dann durch den Spreewald düsen.

Peter Becker/peb1, 03.03.13

 

 

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