Gurken-Paule

Norbert Paul "Gurken Paule", Lübbben

  • Jahrgang 1950
  • Ex-Boxer
  • Gurken-Profi

 

Am Anfang war ein Tisch, ein Camping-Klapptisch. Ganz zu Anfang und auch nur ganz kurz war es der Verkaufsstand der Ehefrau Ursula, die ihr Einzelhandelsunternehmen zum Familienunternehmen umstrukturiert hatte, um Ehemann Norbert eine neue Existenz zu geben. Am Lübbener Hafen sollten in den ersten Nachwendejahren Spreewaldpuppen und andere Souvenirs verkaufen werden, ganz so wie sie es von Spreewaldbesuchen aus ihrer Kinderzeit her kannte. Auch Norbert Paul wollte mit seinen Gurken einziehen. Aber Gurken und Puppen… das ging irgendwie nicht und so verkaufte er seine ersten Konserven auf dem genannten Klapptisch. Die Nachfrage war groß, auch die nach Verkostung und so entwickelte sich das Geschäft und weitete sich aus. Heute hat er seinen eigenen Stand, den „Gurken Paule“, auf der Schlossinsel, aber damit nicht genug: „Ich brauche den Kontakt mit den Leuten, ich habe Spaß daran, sie für etwas zu begeistern und merke auch, dass ich mit meiner Art gut ankomme“, schätzt er nach nun fast 20 Jahren ein. Am Fließ stehend preist er „seine“ Gurken zur Verkostung an, natürlich mit der stillen Hoffnung, dass die Kahnfahrgäste sich später im Hafen dann auch für seine Ware entscheiden: „Wissen Sie, warum das Rudel des Fährmanns so lang und unten abgeflacht ist? Damit er Ihnen meine Gurken reichen kann!“ Der so angesprochene Fährmann hält ihm das Rudel hin und Norbert Paul platziert blitzschnell einige Kostproben auf dem Blatt, damit sie den Gästen gereicht werden können.
Dem 1950 geborenen und im Berliner Raum aufgewachsenen Norbert fällt die Kommunikation nicht schwer, sein unverkennbarer Dialekt kommt an.
Dabei schien sein Lebensweg anfangs in ganz anderen Bahnen verlaufen zu wollen. Nach einer Schlosserlehre entdeckte er sein Herz erst mal für den Sport, dann für Ursula und dann erst für den Spreewald: Er war begeisterter Handballer und später Boxer, sogar ein ganz guter, denn mit seiner Mannschaft wurde er einmal DDR-Vizemeister. Irgendwann traf er Ursula, Frontfrau von „Aut“, einer Rockband aus Cottbus. Vier Wochen später war sein letzter Boxkampf, ein halbes Jahr später die Trauung und der Umzug nach Lübben, in den Spreewald. „Ich habe mein Herz für den Spreewald erst über meine Frau entdeckt und bin von Landschaft und Frau immer noch fasziniert“, schwärmt er. Aber erst mal war harte Arbeit angesagt, im Stahlbau Lübben, dort hat er „erst mal so richtig das Schlossern gelernt“. Ehefrau Ursula machte sich schon 1986 mit einer Geschenkboutique selbstständig. Nach der politischen Wende wurde das Geschäft noch ausgeweitet, der Stand im Hafen wurde errichtet und der Gurkenverkauf aufgenommen, allerdings erst mal mit  den oben beschrieben leichten Startschwierigkeiten. Inzwischen bekommt das Familienunternehmen auch Unterstützung von Tochter Anja.

„Ich will die besten Gurken des Spreewaldes verkaufen, deshalb haben wir in der Familie und im Freundeskreis alle Anbieter unter die Lupe genommen und uns dann auf zwei Lieferanten geeinigt, die uns nun schon seit 10 Jahren die ‚qualitative Treue’ halten“, so Paul. Mit seinem Geschäft blieb er stets mobil, er musste es auch sein: Viele Baumaßnahmen, besonders auf und vor der Stadtinsel führten notwendigerweise zu Platzwechsel. Die Fährmänner empfahlen ihm, sich endlich auch mal einen Namen zuzulegen: „Nenn dich wie du willst, unseretwegen auch ‚Gurken Paule’, Hauptsache wir und die Gäste sehen dein Schild schon von weitem!“ Der Name war geboren und ist sogar seit 1999 als Marke geschützt. In Lübben kennt ihn jeder, aber nicht nur dort: In Berlin und im Umland hat „Gurken Paule“ seine Stände und bei vielen Veranstaltungen ist er dabei und wird auch immer wieder angefragt. In die Partnerstädte geht er als „Botschafter Lübbens“, bei den Tourismusbörsen, auf zahlreichen weiteren Veranstaltungen und in vielen TV-Sendungen war und ist er präsent. Spreewald und Gurke – wie kaum ein anderer trägt „Gurken Paule“ diese Symbiose nach außen. Zahlreiche Busunternehmen fahren Lübben oft auch nur als Zwischenstopp an, nur damit er die Fahrgäste unterhält, die sich dann auch gern mit seinen Spreewaldgurken für die Weiterfahrt eindecken.
Seinem geliebten Sport ist er trotz aller Belastung treu geblieben. In seinem Fitnessraum stehen viele Geräte zur Ertüchtigung – nur die Boxhandschuhe bleiben am Nagel. Seine sportlichen Freunde von damals kommen aber immer mal vorbei, vor kurzem erst hatte er Boxlegende Ulli Wegner als Gast. Geblieben sind auch seine zahlreichen Besuche von Boxveranstaltungen und in seiner Heimatstadt hat er einen Boxverein mitgegründet: „Mein Herz schlägt immer noch für das Boxen, aber eben auch für meine Familie und den Spreewald. Diese Dreieinigkeit ist mein Leben!“

Peter Becker (03.02.09)

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