Kaupen Nr. 6

Horst Koal, Lehde

  • Gastwirt "Kaupen Nr. 6"
  • Senfmanufaktur

Was macht man mit einem ererbten alten Spreewaldhaus? Dieser Frage musste sich die junge Familie Horst und Sabine Koal stellen, als ihnen in Lehde Kaupen Nr. 6, direkt an der Spree gelegen, übertragen wurde. Das Haus der Großmutter war dringend sanierungsbedürftig, auch Auflagen des Denkmalschutzes galt es zu erfüllen. „Wir sind da so allmählich hineingewachsen“, bekennt Horst Koal, Jahrgang 1967. Der im „Stadt Cottbus“ ausgebildete Koch begann 1995 mit den Sanierungsarbeiten, dabei entwickelte sich auch der Gedanke, eine Gaststätte in dem Haus zu etablieren. Das Haus ist für Paddler und Kahntouristen sehr günstige gelegen, denn fast immer führt die Lehde-Rundfahrt der Lübbenauer Fährleute an diesem Haus vorbei, früher war es nur auf dem Wasserweg erreichbar. „Aber es soll auch etwas Besonderes sein, wir wollen uns von anderen Gaststätten unterscheiden“, war den Eheleuten Koal von Anfang an klar. Irgendwas mit Senf sollte es jedenfalls sein, „denn Senfkörner wurde ja schon immer im Spreewald verwendet, wenn auch mehr zum Einlegen der berühmten Senfgurken“ erzählt Horst Koal. Vielleicht hat hier das Vorbild des Bruders eine Rolle gespielt, denn Karl Koal baut nicht nur Kähne, sondern verarbeitet auch den Spreewälder Meerrettich.
Nach der Fertigstellung des Hauses 1996 erfolgte nun das Ausprobieren von verschiedenen Rezepten in der Küche des Gaststätte, die seit dem auch offiziell „Kaupen Nr. 6“ heißt. Auf der Speisekarte erschienen so nach und nach Gerichte, die fast alle irgendwie mit Senf zu tun hatten, wie Zwiebelsuppe mit dem „Groben Heinrich“, die Entenbrust mit dem Apfelsenf oder die Zitronencreme auf Honigsenf.
Es gehörte von Anfang an „zur Ehre des Hauses“, den Senf selbst herzustellen. Das erwies sich dann doch aber erst mal recht schwierig. „Wir brauchen ja große Mengen von Senfkörnern, die konnte der Spreewald und auch nicht das Umland bieten, solch große Flächen sind gar nicht vorhanden. Wir müssen daher unsere Rohware, den gelben und den braunen Senf aus Übersee beziehen“, berichtet Horst Koal. Mehrmals im Jahr fährt er dann mit seinem Transporter in den Hamburger Freihafen und holt sich den aus Kanada importierten Senf ab. In seiner kleinen Manufaktur neben der Gaststätte kommen dann die Körner in den Rührkessel, werden mit Wasser und Gewürzen vermischt und 48 Stunden gerührt. Beim „Groben Heinrich“, früher auch als „Königsberger Senf“ bekannt, wird das Wasser vollständig aufgenommen, so dass der Senf eigentlich nur aus den gequollenen Körnern in Würzlösung besteht. „Alle anderen Sorten, es sind inzwischen 14, werden zu einer Emulsion vermahlen. Unser Senf enthält noch die Schalen mit den wertvollen Inhaltsstoffen, beim Industriesenf dagegen werden sie entfernt, damit er schön sämig aussieht“, erklärt der Firmenchef, der zugleich auch Rührmeister und Abfüller ist. „Wir brauchen deshalb auch keine Konservierungsstoffe, denn das in den Schalen enthaltene Senföl konserviert sich quasi selbst. Unser Senf ist auch zucker- und glutenfrei und enthält kein Salz.“ Der gesundheitliche Wert ist ohnehin nicht umstritten: Er regt die Verdauung an, unterstützt die Darmflora und es besteht die Vermutung, dass er dadurch auch Krebs vorbeugende Wirkung hat.
Inzwischen hat sein Senf zahlreiche Abnehmer nicht nur in der Region gefunden, seine Senfsorten gehen bis an die Ostsee („Sanddornsenf“) oder in Spezialitätengaststätten nach Österreich.
Eine feste Größe ist auch der wöchentliche „Senfabend“ in der Saison. Monika Baumgart, alias „Milena“, eine Lübbenauer Stadtführerin, unterhält dann in ihrer farbenfrohen wendischen Tracht die Gäste.
Das Gästebuch des Lokals im Herzen des Spreewaldes liest sich wie eine Chronik der Zeitgeschichte: Politiker wie Richard von Weizäcker, Manfred Stolpe, Walter Momper, Dietmar Woitke und andere scheinen sich die Klinke in die Hand zu geben, auch Künstler und andere Personen gehören zu dem erlauchten Kreis. Loriot hinterließ eine Karikatur im Gästebuch, die MIR-Kommandanten ein Foto, ebenso so die Stars vom Fernsehen wie Uta Schorn, Dagmar Frederic, Margot Ebert (verst.) und andere mehr oder weniger bekannte Größen des Show-Geschäfts.
Horst Koal hat immer alle Hände voll zu tun, die Gaststätte muss auf hohem Niveau weiterlaufen, die Senfproduktion muss den Bestellungen hinterher kommen. Als Vater dreier Töchter und auch als Betreuer seiner kranken Eltern wird er zusätzlich noch gefordert. „Zu meinem geliebten Hobby, dem Motorrad fahren, komme ich nun gar nicht mehr, aber vielleicht kommen wieder mal bessere Zeiten, in denen auch mal ein wenig Freizeit für mich abfällt“, so Horst Koal. Aber offensichtlich machen ihn die täglichen Herausforderungen auch Spaß, er bewegt was und darf sicher auch ziemlich Stolz auf das Erreichte sein.

 

 

Peter Becker, Juli 2009

Senfmanufaktur

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