Janzen beim Brotbacken

Christel und Siegfried Janzen, Groß Lübbenau

  • Spreewälder Mundart

An guten Kuchen darf keine Maschine

Siegfried Janzen führt genau Buch: Fast 500 Auftritte hatten die beiden Mundartsprecher in den zurückliegenden Jahren, meist auf Volks-, Dorf- und Familienfesten in der Spreewaldregion. Mit dem „Spreiwälderdeitsch“ der beiden Mundartsprecher, eine Mischung aus wendischen und deutschen Begriffen, fühlen sich gerade die Älteren wieder an ihre Kindheit und Jugend erinnert, während die Jüngeren so ihre liebe Müh’ haben, es zu verstehen. Ehefrau Christa kann das gut nachvollziehen, schließlich war die 1941 geborene immer wieder Ohrenzeuge, wenn sich die Großeltern oder Nachbarn im heimischen Groß Lübbenau unterhielten. Neugierig wie sie war, wollte sie natürlich möglichst viel verstehen und fragte immer mal nach. Ihr lag die Sprache, es machte ihr Spaß, diese Mundart selbst zu übernehmen. Mit ihren Freundinnen, ja sogar mit den Puppen sprach sie diesen Dialekt, der in den Dörfern rings um Lübbenau gepflegt wurde. „Mit die Sproache bin ich glei kloa ekummn“, gibt Christa eine Hörprobe zum Besten und zeigt auch gleich noch, das es dem Spreewälder ziemlich egal ist, ob es „die“,  „der“ oder „das“ heißen muss. „Hier gehen die Leute ‚uffs Acka!, nicht auf den Acker.“ Dennoch war bald das  „Spreiwäld’sche“ in den Dörfern immer seltener zu hören und drohte zu verstummen. In Christas Herzen lebte es aber weiter und sollte wieder zu neuem Leben erweckt werden. Aber bis zu den öffentlichen Auftritten nach der politischen Wende war es noch ein weiter Weg.

Der 1931 im westpreußischen Elbing geborene und zur hochdeutschen Sprache durch seine Mutter erzogene Siegfried Janzen, hätte es sich damals sicher nicht vorstellen können, dass er einmal genau das Gegenteil von Hochdeutsch pflegen würde. Bedingt durch Vertreibung und Flucht fand die zersprengte Familie im Berliner Umland wieder zusammen und auch bald eine Bleibe. Siegfried wurde wie sein Vater Schlosser, aber folgte bald dem Ruf „Neue Lehrer braucht das Land“ und wurde in einem einjährigen Schnelldurchgang zum Pädagogen ausgebildet. Bald folgte auch die Zuweisung in eine Schule, auf einer Liste hatte er von weitem seinen Namen und seinen zukünftigen Einsatzort, der im Schwarzwald lag, gesehen. „Oh, ich bin wohl der Einzige, der in die Westzone darf, ihr müsst wohl alle hier bleiben“, reagierte er etwas ungläubig-frohlockend. Ein erneuter Blick brachte aber Aufklärung: „Spreewald“ stand da schwarz auf weiß und „Groß Beuchow“.
Zwei Jahre später wurde er nach Groß Lübbenau versetzt. Hier trafen sich nun auch beide Schicksalslinien und der schmucke Neulehrer war im Ort bald bekannt und beliebt.  Die achtzehnjährige Christa empfand sogar noch etwas mehr für ihn und es wurde auch bald geheiratet, nachdem man die Verlobungsfeier praktischerweise schon Wochen vorher mit einer anderen Familienfeier verbunden hatte. „Ich wollte unbedingt vor Dreißig Vater werden und das ist uns gelungen.“ Siegfried lässt heute noch einen gewissen Stolz spüren, denn Sohn und Tochter folgten „wie auf Bestellung.“ Christa Janzen arbeitete als Kindergärtnerin in Groß Lübbenau und Boblitz, sie nähte für die Kleinen Trachten, erzählte wendische Sagen und sang mit ihnen bei öffentlichen Auftritten, mal in Wendisch, mal in Deutsch.
Ehemann Siegfried war lange Jahre als Lehrer an der Groß Lübbenauer Schule, die sich im Schloss befand, tätig. Später, mit dem Vorrücken des Tagebaus, wurden ganze Ortsteile, darunter auch das wunderschöne Schloss der damaligen Energiepolitik geopfert. Die Schüler folgten ihren Lehrern in die Lübbenauer Schulen. Siegfried Janzen hatte alles dokumentiert, als Ortschronist hielt er alles, Erlaubtes und weniger Erlaubtes, fest. Dadurch wurde es möglich gerade die jüngere, von vielen Brüchen belegte Geschichte für die Nachwelt festzuhalten. Aber damit nicht genug: Auf ihrem Hof haben sie sogar eine kleine Heimatstube im alten Backhaus eingerichtet. Der Ofen kommt zu Festen auch zu Ehren, Brote und Kuchen werden dann kräftig geschoben. „Aber vorher kommt das Rühren: Meine Frau ist überzeugt davon, dass an guten Kuchen keine Maschine darf. Deshalb rührt sie mit der Keule stundenlang den Teig, sie lässt sich auch nicht davon abringen, eine sture Spreewald’sche eben. Aber irgendwie muss sie Recht damit haben, ich kenne keinen besseren Kuchen.“ Siegfried ist mit diesem Lob nicht allein, Familie und Freunde und Nachbarn stehen hinter ihm.

Beide waren viele Jahre im Volkschor tätig, den Siegfried Janzen leitete. In jüngster Vergangenheit traten sie immer öfter als Mundartsprecher auf, sie unterhalten damit Einheimische wie Gäste. Beide sind auch  gute Beobachter und schreiben ihre Mundart-Texte aus Erinnerten oder aktuell Erlebtem heraus auf. Ihre Mundart-Büchlein zeugen auf unterhaltsame Art davon: „Aus Libbnau at man folgendes vanomm: eene Familie at eene Gewinnankindigung bekomm. … Der Gewinn und die anadan Sach’n woarn in Miniatur – alles für den Setzkasten nur. Die Schwindelfirma koam uff ihre Kostn,- dea Mann utte Lehrgeld b’zahlt – wie viel aus’m Osten.“

Bewährte Tipps aus dem Janz’schen Haushalt:

  • Sind Speisen angebrannt, sollten sie in eine Schüssel mit kaltem Wasser gestellt werden. Nach 15 bis 20 Minuten füllt man die Speise in einen anderen Topf um und lässt sie fertig garen.
  • Mit etwas Milch und Salz vermischt, wird das Austrocknen des Senfs verhindert.
  • Der manchmal etwas unangenehme Geruch in alten Schränken und Truhen wird durch mehrmaliges Auswischen mit Essigwasser beseitigt.
  • Damit Quarktorte oder Eierschecke nicht nach dem Backen zusammenfallen, lässt man sie bei geöffneter Ofentür auskühlen.
  • Etwas angesäuerte Milch zum Backen macht den Teig lockerer.
  • Um nicht immer eine Küchenwaage benutzen zu müssen, kann man sich eine kleine Tabelle anfertigen und an günstiger Stelle, zum Beispiel an der Innenschranktür anbringen: Das Maß ist dabei ein großer Esslöffel, auf den passen jeweils

    12 g Mehl
    15 g Zucker
    20 g Butter
    20 g Schmalz
    20 g Fett
    20 g Salz.

  • Omas Hustenmittel: Heiße Milch mit etwas abgekochtem Leinsamen und etwas reinem Bienenhonig mischen. Möglichst heiß trinken.

Kwerrlack (Spreewälder Kartoffelsuppe) – nach einem alten Rezept für etwa vier Personen

1 kg Kartoffeln

schälen und gemeinsam mit einer geschnittenen

Zwiebel

sowie

Salz, Pfeffer

und etwas

Maggikraut

etwa 15 – 20 Minuten kochen.

 

Kochwasser abgießen und aufbewahren.

 

Kartoffeln stampfen und

½ Liter Milch

zugeben. Etwas

Majoran

und das restliche Kochwasser portionsweise zugeben, bis der Brei suppig ist

100 – 200 g Speck (oder Margarine)

auslassen und

300 - 500 g Wurst

in Scheiben schneiden und darin anbraten und zur Suppe geben. Zum Schluss

1,5 EL Rindsboullion

unterrühren.

 

 

Der Spreewälder isst gern saure oder Gewürzgurken dazu.

Janz’scher Sandkuchen

250 g Margarine

schaumig rühren

250 g Butter

dazu geben und alles verrühren.

500 g Puderzucker

nach und nach dazu geben (für das Bestäuben des fertigen Kuchens etwas Puderzucker übrig lassen)

8 Eier

Jedes Ei einzeln unterrühren, danach

1 Päckchen Vanillezucker

 

1 geriebene Zitrone (oder ein Päckchen Citro-Back)

und

1 Schuss Rum

untermischen

250 g Kartoffelmehl

mit

1 Päckchen Backpulver

unterarbeiten.

Der Sandkuchen wird in einer Keramikschüssel mit einer Holzkeule per Hand(!) eine Stunde lang gerührt und kommt in eine Rund- oder Kastenform. Früher hieß der Kuchen wegen seiner langen Rührzeit auch „Abgeriebener“. Die angegebenen Mengen sind für zwei Kuchen gedacht. Die Backzeit beträgt 60 Minuten bei 175 Grad Celsius.

 

Peter Becker, Dez. 2010

 

Ehepaar Janzen

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