Hajo Kohlase

Hans-Joachim Kohlase, Burg

  • Wasserwirtschaftler a.D.
  • Leiter Regional-Büro Spreewald a.D.
  • Mundartler

„An anderen Orten hat der Teufel viel Unheil gebracht –unser Spreewald ist aber eine Pracht!“ So sieht der ehemalige Wasserwirtschaftler und Regionalentwickler Hans-Joachim Kohlase die Sage vom Teufel, dem beim Pflügen die Ochsen durchgegangen sind und der so die zahlreichen Flussläufe des Spreewaldes geschaffen hat. In einem Mundart-Gedicht hat er diese Sage regional zugeordnet und wasserwirtschaftlich aufbereitet, wohl wissend dass die Eiszeit und nicht der Teufel im Spiel war.
Das Wasserwirtschaftliche ist ihm 1936 schon in die Wiege gelegt worden, denn sein Vater war Deichhauptmann in Neu Zauche und für große Teile des nördlichen Ober-Spreewaldes verantwortlich. Damals wurden umfangreiche Auspolderungen durch Deichbaumaßnahmen vorgenommen. Dem Spreewälderjungen ging es aber erst mal so wie allen anderen Kindern, die inmitten des Spreewaldes, im "Grünen Paradies" groß geworden sind: Man interessierte sich wenig für die Erwachsenenwelt, schließlich war vor der Haustür ein unerschöpflicher Spielplatz mit zahlreichen Ablenkungsmöglichkeiten! Dies änderte sich nach einem einschneidenden Erlebnis: Er hatte den Ortsgruppenführer der NSDAP auf der Dorfstraße nicht mit dem ausgestreckten Arm gegrüßt, sondern nur salopp mit „Guten Tag!“. Vor versammelter Schulklasse wurde er zur "Schnecke" gemacht, damit sich so etwas nie wieder wiederholt. Das mit dem „nie“ hatte sich aber schon nach kurzer Zeit erledigt, der braune Spuk bald war vorbei. Hans-Joachim besuchte nun das Lübbener Gymnasium und war dort ein hervorragender Freizeit-Turner geworden. Er schaffte es sogar bis zum Bezirks-Schulmeister. Sein Lehrer und Trainer war allerdings auch kein Geringerer als der Vater von Karin Janz, der späteren DDR-Turnlegende. Nach dem Studium der Wasserwirtschaft in Magdeburg und Dresden folgten bald sehr verantwortungsvolle Aufgaben in der Heimatregion, denn der damalige Energiebezirk Cottbus war auf eine kontinuierliche Wasserzuführung für die Kohlekraftwerke und die Stauregulierung der Wasserstände im Spreewald angewiesen. Nach der Hochzeit 1957 und der Geburt der beiden ersten Kinder zog die junge Familie 1961 in eine schicke Neubauwohnung in Lübbenau mit allem Komfort. Wer vorher auf dem Land in einfachsten Verhältnissen wohnte, wusste diesen Umstand sehr zu schätzen!
Nach 1992 übernahm er das „Regionalbüro Spreewald“, ein von der europäischen Union und vom Land Brandenburg gefördertes Projekt. Die Schönheit der Landschaft und die Bekanntheit der Spreewälder Delikatessgurken sind ein Pfund mit dem gewuchert werden muss war seine feste Überzeugung. So ist es sein Verdienst, dass die Spreewaldregion und die Spreewälder Produkte unter europäischem  Schutz  gestellt wurden. Der "Wirtschaftsraum Spreewald" wurde nach geografischen, hydrogeografischen, und kulturhistorischen Gesichtspunkten untersucht und abgegrenzt und durch Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes 1999 bestätigt. Damit war die Grundlage für eine einzigartige Erfolgsgeschichte der Regionalentwicklung geschaffen. Heute werden auf rd.600 Hektar bis zu 40000 Tonnen Gurken geerntet und verarbeitet und in ganz Deutschland und darüber hinaus vermarktet. Damit Verbraucher sicher sein können echte Spreewälder Produkte zu kaufen, wurde die Marke Spreewald geschaffen: Die gekreuzten Schlangenköpfe sind der Mythologie der Spreewälder entnommen, sie zieren zahlreiche Giebel von Wohn- und Wirtschaftsgebäude in der Spreewaldregion – eine wahre Dachmarke eben.

Nun schon Rentner, aber noch lange nicht im Ruhestand, hält Hans-Joachim Kohlase jährlich viele Vorträge vor einem interessierten Publikum. Darin geht es über den Verlauf der Spree von der Quelle bis zur Mündung ebenso wie über Traditionen und Festivitäten, Bräuche und Trachten.
Manchmal sogar in seiner Neu Zauch’schen Mundart, wo nach seiner Meinung das einfachste Deutsch gesprochen wird, da gibt es nämlich kein „mich und mir" sondern nur "mia". 
Nun hat er sich noch vorgenommen, einen besonderen Spreewälder Gaumenschmaus zu kreieren - den „Spreewald- Burger“. „Bei uns im Spreewald wird das Brot vom Fleischer gebacken, denn in unserer Grütz- und auch der Schneidewurst ist mehr Getreide als Fleisch enthalten. Lecker auf einem Vollkornbrötchen eine 2 Zentimeter dicke Schneidewurst-Scheibe mit Gurken, Tomaten und Zwiebeln garniert serviert, kann dieser Burger eigentlich nur gesund sein“, ist seine Auffassung.
Aber immer wieder kommt er auch auf seine „teuflischen Ochsen“ zu sprechen: „Die Sage und die Eiszeit – Dichtung und Wahrheit. Solche Parallelen faszinieren mich!“ Die Spreewälder kennen seine diesbezüglichen Ambitionen und nennen ihn liebevoll  den „letzten Puschochsen“!

 

Peter Becker, Jan. 2009

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