Rund 970 Kilometer Fließe durchziehen den Spreewald zwischen Lübben und Burg. Die meisten Besucher erleben dieses Wasserlabyrinth vom Holzkahn aus, gestakt von einem ortskundigen Fährmann. Wer lieber selbst paddelt, hat jedoch Zugang zu Ecken, die organisierte Touren schlicht nicht ansteuern. Selbstgeführte Paddeltouren sind im Spreewald gut möglich, verlangen aber etwas Vorbereitung.
Oberspreewald oder Unterspreewald: Wo paddeln sich besser anfängt
Die Wahl des Startpunkts entscheidet über den Charakter der Tour. Der Unterspreewald rund um Lübben gilt als zugänglicher Einstieg. Die Fließe sind hier breiter, die Strömung moderat, und das Netz an Bootsverleihen ist dicht. Von Lübben aus lassen sich Rundkurse von 8 bis 20 Kilometern ohne nennenswerte Hindernisse planen.
Der Oberspreewald um Lübbenau und Lehde ist stärker befahren, vor allem an Wochenenden zwischen Mai und September. Die Kanäle sind schmaler, Begegnungen mit Kahnfähren häufiger. Das bedeutet mehr Aufmerksamkeit beim Paddeln, bietet aber auch dichteren Baumbestand und abgeschiedenere Seitenkanäle. Wer Ruhe sucht, startet früh: Vor 9 Uhr morgens hat man viele Fließe praktisch für sich.
Bootsverleih, Tourdauer und praktische Eckdaten
Entlang der Hauptorte gibt es mehr als zwei Dutzend Bootsverleihstationen. Kanadier, Kajaks und Tretboote stehen zur Wahl, wobei Kanadier für Gepäcktransport und entspanntes Tempo besser geeignet sind. Preise liegen je nach Anbieter zwischen 10 und 18 Euro pro Stunde oder 30 bis 55 Euro für den Tagestarif. Eine Kaution von 30 bis 50 Euro ist üblich.
Für eine halbtägige Tour ohne Pausen kalkuliert man 12 bis 15 Kilometer. Wer Stopps einplant, Fotos macht oder picknicht, rechnet realistisch mit 8 bis 10 Kilometern. Die meisten Verleiher geben Wasserkarten aus, die zuverlässiger sind als Smartphone-Apps, die im Funkloch versagen. Einige Stationen bieten auch Rücktransport an, sodass Punkt-zu-Punkt-Routen ohne Umweg möglich werden.
Was die Karte nicht zeigt: Regeln auf dem Wasser
Der Spreewald liegt im Biosphärenreservat. Das bringt klare Verhaltensregeln mit sich, die nicht nur auf Papier existieren, sondern auch kontrolliert werden.
- Außerhalb der ausgewiesenen Fließe ist das Befahren verboten. Die gesperrten Bereiche sind auf den Verleiher-Karten markiert.
- An Uferabschnitten mit Schildern „Naturschutzgebiet“ gilt absolutes Anlegeverbot.
- Motorboote sind auf den meisten Fließen untersagt, was den Paddlern zugutekommt.
- Lärm, Musik aus Lautsprechern und das Befahren von Schilf- oder Rohrbeständen sind untersagt.
- Müll gehört mit zurück an den Startpunkt, Mülleimer an Rastplätzen sind rar.
Wer sich an diese Regeln hält, hat kaum Ärger zu erwarten. Wer sie ignoriert, riskiert Bußgelder, die zwischen 50 und 500 Euro liegen können.
Empfehlenswerte Strecken mit konkreten Startpunkten
Eine der beliebtesten Selbstpaddelrouten beginnt am Bootsverleih Lehde, führt durch den sogenannten „Gurken-Radweg-Kanal“ Richtung Leipe und kehrt über den Hauptfließ zurück. Die Runde misst knapp 14 Kilometer und lässt sich bequem in vier Stunden absolvieren. In Leipe gibt es eine Rastmöglichkeit mit kleiner Gaststätte.
Wer weniger Trubel möchte, startet in Straupitz im Unterspreewald. Von dort führen mehrere ruhige Fließe durch Erlenbruch-Wälder, die selbst im Hochsommer kaum überlaufen sind. Der Ortskern von Straupitz bietet außerdem eine der wenigen erhaltenen Spreewald-Windmühlen direkt am Wasser. Wer sich vorab über Routenoptionen und Streckenbeschreibungen für Padeltouren im Spreewald informiert, kann die Tour besser auf das eigene Tempo zuschneiden.
Für Mehrtagestouren eignet sich die Route von Lübbenau nach Burg besonders gut. Auf rund 35 Kilometern passiert man Schleusenhäuser, historische Rastplätze und Fischteiche. Übernachtungsplätze direkt am Wasser gibt es in Leipe, Burg und einigen kleineren Weilern dazwischen, teilweise nur mit Voranmeldung beim jeweiligen Eigentümer.
Ausrüstung: Was wirklich gebraucht wird
Die meisten Verleiher stellen Paddel und Schwimmwesten. Eigene Ausrüstung lohnt sich erst ab mehreren Touren pro Saison. Was jedoch regelmäßig fehlt und selbst mitgebracht werden sollte:
- Wasserdichte Packsäcke für Wertsachen und Verpflegung
- Sonnenschutz, da die Wasseroberfläche die Strahlung verstärkt
- Mückenschutz, besonders in den Abschnitten mit stehendem Wasser
- Wechselkleidung in einem zweiten Packsack
- Gedruckte Wasserkarte als Backup zum Handy
Neoprenhandschuhe sind nur im Frühjahr oder Herbst sinnvoll. Im Sommer reichen Paddelhandschuhe gegen Blasenbildung aus, wenn man mehr als zwei Stunden am Stück paddelt.
Wann die beste Reisezeit für Eigentouren ist
April und Oktober sind die empfehlenswertesten Monate für ungestörtes Paddeln. Die Natur ist aktiv, die Wassertemperatur noch kühl, aber erträglich, und die Fließe deutlich leerer als im Juli oder August. An Pfingstmontagen und langen August-Wochenenden kann der Verkehr auf den Hauptkanälen so dicht werden, dass eigenständiges Navigieren anstrengend wird.
Im Winter sind einige Fließe gesperrt oder zugänglich, aber ohne Verleihbetrieb. Wer mit eigenem Boot kommt, kann auch dann paddeln, sofern kein Eis liegt und die Naturschutzbestimmungen eingehalten werden. Für die meisten Besucher liegt das optimale Zeitfenster zwischen Mitte April und Ende September, mit klarer Präferenz für Werktage.
Selbstgeführte Touren durch den Spreewald sind kein Abenteuer für Extremsportler, sondern eine realistische Option für jeden, der ein Paddel halten kann und bereit ist, sich 30 Minuten mit Karte und Regeln zu beschäftigen. Der Aufwand lohnt sich: Auf stillen Seitenkanälen, fernab der Kahnfährenrouten, zeigt der Spreewald sein eigentliches Gesicht.


