Reiten im Spreewald: Ausflüge auf den Fließen-Wegen

Wer den Spreewald kennt, denkt zuerst an Kähne, Gurken und stille Wasserarme. Dass das Biosphärenreservat gleichzeitig eines der landschaftlich reizvollsten Reitgebiete Brandenburgs ist, bleibt vielen Besuchern verborgen. Dabei durchziehen rund 970 Kilometer Fließe das Gebiet zwischen Lübben und Burg, und weite Teile der begleitenden Erdwege sind für Reiter freigegeben. Das schafft Möglichkeiten, die sich kaum irgendwo sonst in der Region so offen bieten.

Was den Spreewald für Reiter besonders macht

Der Untergrund ist ein entscheidender Faktor. Die meisten Wege zwischen den Fließen bestehen aus gewachsenem Sand oder leicht verdichtetem Torfboden, was die Gelenke von Pferden deutlich schoner als Asphalt oder Schotter. Gleichzeitig bleibt das Terrain auch nach längeren Regenperioden passierbar, da das charakteristische Gefälle des Spreewaldes für eine natürliche Entwässerung sorgt. Abgesehen vom Boden ist die Route durch den Unterspreewald strukturell anspruchsvoll genug, um Pferde wirklich zu fordern: Engstellen an Holzbrücken, schmale Dammwege mit Wassergraben beidseitig, unerwartete Begegnungen mit Ausflugskähnen. Das hält Reittiere aufmerksam, ohne sie zu überfordern.

Das Biosphärenreservat Spreewald unterliegt besonderen Schutzregelungen. Nicht jeder Weg darf geritten werden. Innerhalb der Kernzonen, die rund 2.900 Hektar der Gesamtfläche ausmachen, ist das Betreten abseits markierter Pfade grundsätzlich untersagt. Reiter sollten vor dem Ausritt prüfen, welche Wege im aktuellen Zonierungsplan als Reitwege ausgewiesen sind. Das Amt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Entwicklung Cottbus hält entsprechende Karten vor. Wer unmarkierte Wege nutzt, riskiert Bußgelder und trägt zur Bodenerosion in ökologisch sensiblen Bereichen bei.

Routen zwischen Lübben und Lehde

Die bekannteste Einstiegsroute für Reiter startet in Lübben und führt über den Hochwald in Richtung Lehde. Auf einer Streckenlänge von etwa 14 Kilometern wechseln sich offene Wiesenabschnitte mit schmalen Fließe-Passagen ab. Besonders der Abschnitt zwischen dem Wotschofska-Gasthaus und dem Abzweig nach Alt-Schadow gilt als einer der ruhigsten Reitkorridore im gesamten Spreewald. Motorisierter Verkehr tritt hier kaum auf; die wenigen Begegnungen beschränken sich auf Radfahrer und Wanderer.

Wer mit Pferd und Wagen unterwegs ist, findet im Bereich Burg (Spreewald) eine eigene Infrastruktur. Dort gibt es auf dem Gebiet des Oberspreewaldes mehrere befestigte Parkplätze mit Anhängerzufahrt sowie Anbindemöglichkeiten in der Nähe der Ortseingänge. Die Entfernung von Burg-Kauper nach Burg-Kolonie entlang des Großen Fließes beträgt auf dem Reitweg knapp 9 Kilometer und lässt sich gut als Halbtagesausritt planen.

Vorbereitung und Ausrüstung

Erfahrene Reiter unterschätzen Spreewald-Ausflüge gelegentlich, weil die Landschaft flach wirkt. Tatsächlich sind die Wege eng und oft nicht breiter als 1,5 Meter, was Begegnungsverkehr zur echten Herausforderung macht. Empfehlenswert ist daher eine Route, die möglichst im Kreisverkehr geplant wird, ohne dass man auf demselben Weg zurückreiten muss. Wer Orientierungsmaterial zum Thema Pferd und Ausrüstung sucht, findet auf Stall-Liebe.de – Der Pferde Ratgeber praxisnahe Hinweise zu Ausrüstung, Pflege und Vorbereitung für Ausritte im Gelände. Für den Spreewald gilt insbesondere: Leichte Sättel und ein gut sitzendes Brustblatt sind sinnvoll, da die Dammwege gelegentliche Querneigungen aufweisen.

Die Hufeisenpflege verdient besondere Aufmerksamkeit. Sandige Böden schleifen Hufeisen gleichmäßiger ab als Asphalt, aber feuchte Stellen direkt an den Fließen können die Hornsubstanz aufweichen. Wer länger als drei Stunden unterwegs ist, sollte Ersatzeisen oder zumindest Hufschuhe im Gepäck haben. Außerdem: Im Sommer ist Insektenschutz für das Pferd in den sumpfigen Bereichen unverzichtbar. Bremsen und Stechmücken treten zwischen Juni und August in erheblicher Dichte auf.

Kombinierter Ausflug: Wandern und Reiten

Für gemischte Gruppen, in denen nicht alle Teilnehmer reiten möchten, lässt sich ein kombinierter Ausflug gut umsetzen. Die offiziellen Wanderwege des Spreewaldes verlaufen auf mehreren Abschnitten parallel zu den ausgewiesenen Reitwegen. Besonders gut funktioniert das auf der Strecke zwischen Lübbenau und Leipe: Wanderer nutzen den unmittelbaren Fließerand, Reiter nehmen den leicht erhöhten Dammweg auf der anderen Wasserseite. An mehreren Punkten gibt es Holzbrücken, an denen beide Gruppen die Seiten wechseln oder sich treffen können.

Gaststätten mit Anbindemöglichkeit sind im Spreewald rar. Vor dem Ausritt lohnt sich eine direkte Anfrage in den Orten Leipe, Straupitz oder Raddusch. Einige Landgasthöfe dulden angebundene Pferde auf dem Hof, ohne es explizit zu bewerben. Wer mit zwei oder mehr Pferden anreist, sollte das telefonisch abstimmen. Offizielle Reitstationen mit Tränke und Unterstand gibt es entlang der Hauptrouten an vier bis fünf Punkten, deren Standorte im Reiterwegeführer des Landkreises Dahme-Spreewald verzeichnet sind.

Rechtlicher Rahmen und Naturschutz

Das Reiten in der freien Landschaft Brandenburgs ist durch das Brandenburgische Naturschutzgesetz geregelt. Auf ausgewiesenen Reitwegen ist es grundsätzlich erlaubt; das Verlassen dieser Wege in Schutzgebieten ist untersagt. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat weist regelmäßig darauf hin, dass Reiter auf Waldwegen gegenüber Fußgängern Rücksichtnahme schulden und Schritttempo einhalten sollen, wenn Begegnungen nicht vermeidbar sind. Im Spreewald gilt das besonders für die Bereiche, in denen Wanderwege und Reitwege zusammenfallen.

Wer Schäden an Wegen, Brücken oder Zäunen verursacht, haftet nach allgemeinen zivilrechtlichen Grundsätzen. Das gilt auch dann, wenn das Pferd erschrickt und unkontrolliert ausschert. Eine Haftpflichtversicherung speziell für Reiter und Pferde ist im Spreewald keine Formalität, sondern praktische Notwendigkeit.

Fazit: Fließewege zu Pferd sind eine eigene Erfahrung

Der Spreewald erschließt sich zu Pferd anders als per Kahn oder Fahrrad. Das Tempo passt zur Landschaft, die Perspektive aus dem Sattel erlaubt Blicke über das Schilf, die Wanderern verwehrt bleiben. Wer die Regeln kennt, die freigegebenen Wege nutzt und sein Pferd vorbereitet, erlebt einen der ungewöhnlichsten Reitausflüge in Brandenburg. Die Infrastruktur ist überschaubar, aber vorhanden. Planung zahlt sich aus, Spontanität eher nicht.