Andreas Schenker

Andreas Schenker, Boblitz

  • Sänger, Komponist, Texter

Hallo Erde- hier ist Schenker!

Man muss es schon irgendwie geschafft haben im Leben, wenn man bei Wikipedia gelistet ist. Wenn auch „nur“ als Sänger  der Rockband BERLUC (BERlin, LUCkenwalde). Mit ihrem Hit „No bomb – Hallo Erde, hier ist Alpha“ tourten sie durch Ost und West, gaben Konzerte in Riga und Hamburg, sie waren eine der angesagtesten Bands in der damaligen DDR. Als Frontmann der Band: Der Spreewälder Andreas Schenker. Diese Karriere war eigentlich vorgezeichnet, denn der ehrgeizige Lübbenauer erlernte schon als Junge Klarinette und bald auch andere Instrumente. Dabei stammt der am 29.02.1960 Geborene aus einer eher weniger der Musik zugewandten Familie. Vater Helmut arbeitete im Braunkohlenkraftwerk „Jugend“, Mutter Charlotte war Büroangestellte. Im Lübbenauer FDJ- und Pionierorchester begann die musikalische Karriere, es folgten Auftritte bei den Weltfestspielen in Berlin und vielen anderen Großveranstaltungen, wie sie damals recht häufig waren. Die Lehre als Instandhaltungsmechaniker brachte er zwar hinter sich, Andreas wollte aber unbedingt Musiker werden. Im Cottbuser Konservatorium absolvierte er ein Gesangsstudium und wurde bald als Kapellensänger eingesetzt. Bei der damaligen Schlagerlegende und Jurymitglied Dagmar Frederic legte er kurze Zeit danach die Prüfung als Solist ab. Mit der Einberufung zum Grundwehrdienst der Nationalen Volksarmee schien die musikalische Laufbahn erst mal eine Unterbrechung nehmen zu müssen, aber das Gegenteil stellte sich heraus, wie Andreas bald feststellen sollte: Als „kleiner Funker“ in einer Niederlehmer Kaserne bekam er schon nach kurzer Zeit das Amt des Regimentskapellenchefs übertragen und belegte mit einem ersten selbst komponierten Titel auf Anhieb auch den ersten Platz bei einem Militärmusikwettbewerb! Nach dem Wehrdienst folgten Engagements in verschiedenen Gastspieldirektionen, dabei wurde er auch vom BERLUC-Chef Dietmar Ränker entdeckt und verpflichtet. Nach der politischen Wende folgte eine Zeit der Neuorientierung, die für viele „Ostkünstler“ auch manchmal das Karriereende bedeutete. Nicht aber für Andreas Schenker, der ab 1995 für fast 10 Jahre unter einem Plattenvertrag stand. Er komponierte über 30 Titel und erzielte viele Preise, z.B. auch das von der Deutschen-Diskjockey-Organisation vergebene  Internet-Gold für die „Nacht aller Engel“ - genau im 25. Jahr seines Bühnenjubiläums.

Immer in Deutschland unterwegs, nimmt er sich aber jedes Jahr Zeit für die Spreewaldfestspiele und ist hier eine feste Größe im Show-Programm: „Hier ist meine Heimat, hier möchte ich mich einbringen. Hier habe ich auch mein Herz für die Natur entdeckt. Als Kind war ich oft im Spreewald, ich lebte sogar eine Zeit im Spreewalddorf Raddusch. Aber damals war das für mich alles so selbstverständlich, völlig normal. Heute zieht es mich in jeder freien Minute in diese Lagunenlandschaft“, schwärmt der Naturliebhaber. Von seinem Boblitzer Haus sind es auch nur wenige hundert Meter bis zum ersten Fließ. Gern geht er auch mit Jägern mit und harrt stundenlang schweigend auf einem Ansitz aus. „Da habe ich nahezu zwangsweise die besten Ideen für neue Kompositionen, ich muss mich ja still verhalten und da bleibt mir nur das Denken“, beschreibt Schenker seine Jagdausflüge. Zuhause hat er zahlreiche Tierbücher und ist erklärter Zirkusfan. „Ein Hobby ist auch das Sammeln von Armbanduhren aller Art“, gesteht er. So, als ob man auch Zeit sammeln kann, denn davon hat der immer noch rastlose Künstler viel wenig zur Verfügung. Wenn doch, dann ist in seinem Haus viel zu tun, das er allein unterhält. Er verbringt so manchen Abend lesend beim Gläschen Rotwein im Kaminzimmer. Aber auch damit war es mal für eine Zeit vorbei: Andreas Schenker wurde 2009 von einer Konzertagentur für die MS „Europa“, einem Fünf-Sterne-Plus-Kreuzfahrtschiff, engagiert. „Da freute ich mich riesig, es war die Chance meines Lebens. Niemals hätte ich mir die teure Reise leisten können“, sprudelt es aus ihm heraus. „Als ich durch die Tropen schipperte, habe ich auch manchmal an meinen Spreewald gedacht und an mein ‚Spreewaldmädchen’ und an meinen ‚Alten Fährmann’, meine neuesten Kompositionen“, erzählt Andreas Schenker etwas nachdenklicher werdend. „Spreewaldmädchen, steig doch zu  mir ein und lass’ uns beide zusammen sein….“, diese Liedzeile ist dem Kreuzfahrer dann schon mal öfter eingefallen, so ganz fern der Heimat. Und seinen Mitreisenden, die sicher schon die ganze Welt gesehen haben, hat er auch immer wieder von „seinem“ Spreewald erzählt, irgendwo auf hoher See zwischen Vietnam und China.
Inzwischen arbeitet er an seinem neuesten Projekt, einer Gesangschule mit Studioaufnahmen. „Ich will jungen Leuten, ähnlich wie es mir früher widerfahren ist, eine Gesangsausbildung zukommen lassen. Hoffentlich finde ich dafür auch die nötige Zeit, denn in bin nach wie vor ein Bühnenmensch, dem sein Publikum etwas bedeutet. Ich habe riesigen Spaß an meiner Arbeit!“

 Peter Becker, Dez. 2010

Glühwein wie ich ihn mag:

 

1 Flasche trocknen Rotwein

mit

1 – 2 EL Zucker

in einen Topf geben.

1 Apfelsine

in Scheiben schneiden, darauf einige

Nelken

spicken und etwas

Zucker

und

Zimt

aufgeben und in den Wein geben. Dazu kommen noch

3 Zimtstangen

und

3 Anissterne

Nicht umrühren, aber leicht köcheln lassen.

 

 

Andreas Schenker auf der MS „Europa“

„In zehn Wochen 18 Länder gesehen, einige in Glanz und Reichtum stehend, andere durch Armut und Elend gezeichnet – das ist schon anstrengend an sich. Dazu täglich Auftritte vor einem anspruchsvollen Publikum. Und trotzdem war es einmalig schön!“ Andreas Schenker ist immer noch beeindruckt von dieser Reise mit der MS „Europa“, die er nicht als Passagier, sondern als Sänger gemeinsam mit einer Gala-Band vor wenigen Tagen erst beendet hatte. „Ich bin aber auch froh, wieder daheim in meinem Spreewald bei meinem Publikum zu sein, endlich wieder mal festen Boden, und das in vielerlei Hinsicht, unter den Füßen zu haben, denn zahlreiche Veranstaltungen warten auf mich“, gesteht er doch etwas erleichtert. Die MS-Europa gilt als die „schönste Yacht der Welt“, sie ist ein 5-Sterne-plus-Schiff und hat als einziges Schiff diese Auszeichnung, wohl sicher auch, weil auf fast jeden der 400 Passagiere etwa ein Besatzungsmitglied kommt. Andreas Schenker wurde im Vorfeld der Reise gecastet wie viele andere Künstler auch, die Wahl fiel schließlich auf ihn. Es wurde ihm aber auch nahe gelegt, nicht zu erwähnen, dass er aus dem „Osten“ sei! Aber Andreas Schenker erzählte jedem der es wissen wollte, dass er aus dem Spreewald kommt: „Viele kannten den Spreewald schon, andere zwar die ganze Welt, wollten aber dann doch mehr über diese Region erfahren“, so Schenker. Zahlreiche Landgänge führten die Passagiere in verschiedenste asiatische Städte. „Am beeindruckensten war für mich Vietnam. Es ist ein wunderschönes Land mit sehr freundlichen Menschen. In China dagegen wurden wir an längst vergangene Zeiten erinnert: Alles trist und grau, die Luft versmogt und die Menschen ziemlich ernst dreinblickend. Als ich mal einen roten Stern –wo sieht man ihn schon noch?- fotografieren wollte, wurde ich von einem Uniformierten daran gehindert.“ Andreas Schenker hat über eintausend Fotos gemacht, darunter auch aus den Slams von Indien. „Ich wollte immer unter den Menschen sein, ganz nah dran. In Mumbay, früher Bombay, musste ich sehen, das Menschen auf der Straße schliefen und bitterarm ihr Dasein fristeten. Aber sie waren immer freundlich und nahmen kein Trinkgeld an – einfach unvorstellbar.“ Andreas Schenker ist immer noch sichtlich berührt von diesen menschlichen Schicksalen und kann deshalb den gegenwärtigen Erfolg von „Slumdog Millionär“ gut verstehen, denn diese Menschen dort wollen ihrem Elend unter allem Umständen entfliehen. Aber auch auf dem Traumschiff wurden die Menschen von der aktuellen Politik eingeholt. Um vor Piratenangriffen sicher zu sein, wurden die Passagiere und ein großer Teil der Besatzung von Oman nach Jemen geflogen, dass Schiff durchquerte mit einer Minimalbesatzung das gefährdete Gebiet. „Dadurch hatten wir aber mal drei Tage Zeit für einen Ort: Ich kam mir vor, wie in 1000 und einer Nacht! Der Orient war so, wie ich ihn aus Märchen kannte“, erzählt Andreas Schenker begeistert. „Und die Gelassenheit war einmalig: Ab Mittag passiert in Jemen nichts, da zieht sich jeder mit einer dicken Backe und Kat kauend in sein kühles Gemach zurück. Diese Volksdroge beherrscht den Alltag. Der europäische Gast ist zwar immer willkommen, aber man kümmert sich dann kaum um ihn.“ Andreas ist sich sicher, dass er dieses und auch die vielen anderen Erlebnisse niemals im Leben hätte haben können, wenn er nicht letztlich durch seine Musik diese einmalige Chance bekommen hätte. „Die gut betuchten und sicher auch verwöhnten Gäste nahmen mich sehr gut an. Am meisten freute mich immer über deren Gruß zum Frühstück. Ein Insider erzählte mir, dass dies in der Welt der Kreuzfahrer als Kompliment an den Künstler gilt!“ Und wie um ihr Gewissen zu bereinigen, ersteigerten die Gäste die Seekarten der vorangegangenen Tagestouren für einen guten Zweck, meist für Kindereinrichtungen. Eine ziemlich profane Karte ging da schon mal für 80000 EUR weg – man hatte eben Spaß am gegenseitigen Überbieten und konnte es sich wohl auch leisten zu zeigen, wie vermögend man sei.

Peter Becker, Mai 2009

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