Schladming im Sommer: Mehr als ein Winterziel

Wer Schladming hört, denkt an Abfahrten, Skiweltcup und Schnee. Das ist verständlich, greift aber deutlich zu kurz. Die Region rund um die steirische Bergstadt liegt auf rund 745 Metern Seehöhe, eingebettet zwischen den Schladminger Tauern im Süden und dem Dachsteinmassiv im Norden. Im Winter zieht das Skigebiet Planai mehrere hunderttausend Gäste an. Im Sommer ist es deutlich ruhiger, und genau das macht den Aufenthalt für viele Reisende erst interessant.

Was den Sommer in Schladming auszeichnet

Zwischen Juni und September öffnet die Region ein komplett anderes Gesicht. Die Temperaturen bewegen sich im Tal meist zwischen 18 und 26 Grad Celsius, in den Lagen oberhalb von 1.500 Metern bleibt es angenehm frisch. Das Hauptkettennetz der Schladminger Tauern umfasst mehr als 1.000 Kilometer markierte Wanderwege, vom leichten Spazierweg entlang der Enns bis hin zu alpinen Routen mit Kletterpassagen.

Besonders gefragt ist die Vier-Seen-Wanderung auf dem Hochplateau des Reiteralm. Die Tour führt an Bodensee, Obersee, Untersee und Igelsee vorbei, überwindet rund 600 Höhenmeter und ist in etwa fünf Stunden zu bewältigen. Wer weniger Zeit hat, kann per Gondel auf 1.800 Meter aufsteigen und die Seen in einer kürzeren Schleife ablaufen.

Mountainbike und Rennrad: Zwei unterschiedliche Welten

Schladming hat sich in den vergangenen Jahren zu einem ernstzunehmenden Bikerevier entwickelt. Die Planai-Bikes-Arena bietet Trails unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, die mit der Gondel erschlossen werden. Geübte Fahrer können auf dem Dirtmaster-Trail bis zu 800 Höhenmeter am Stück abfahren. Wer lieber auf geteerten Straßen unterwegs ist, findet im Ennstal ideale Bedingungen: flache Streckenabschnitte entlang des Flusses eignen sich für Tagestouren zwischen Schladming und Radstadt oder Gröbming.

Fahrradverleih und geführte Touren sind von Mai bis Oktober verfügbar. Wer mit eigenem Material anreist, findet in der Region mehrere Servicestationen, die auch E-Bike-Akkus laden.

Übernachten abseits der Hochsaison

Im Sommer sind Unterkunftspreise in Schladming spürbar niedriger als in der Skisaison. Ein Doppelzimmer in einem Vier-Sterne-Haus kostet im Juli oder August häufig zwischen 90 und 140 Euro pro Nacht, während es im Januar für vergleichbare Häuser oft das Doppelte sind. Wer längere Aufenthalte plant, profitiert von Wochenpauschalen, die viele Betriebe anbieten. Typisch für die Region sind familiär geführte Landhäuser, die Halbpension mit regionaler Küche kombinieren. Ein gutes Beispiel dafür ist das Schladming zugeordnete Landhaus Kirchgasser, das Gästen eine direkte Anbindung an Wanderwege bietet.

Wer Selbstversorgung bevorzugt, findet in Schladming und den umliegenden Dörfern mehrere Ferienwohnungen und Appartements. Im Ortskern selbst gibt es Supermärkte, Bäcker und Metzger, sodass die Versorgung unkompliziert bleibt.

Kulinarik: Was die Steiermark auf den Tisch bringt

Die steirische Küche unterscheidet sich merklich von dem, was viele Österreich-Touristen als typisch kennen. Kürbiskernöl gehört hier auf den Salat, Sterz aus Buchweizenmehl steht auf vielen Speisekarten, und Lammfleisch aus der Region findet sich von Juni bis September als Saisonangebot. Auf den Almhütten oberhalb von Schladming gibt es neben klassischem Kaiserschmarrn zunehmend auch Gerichte aus lokaler Produktion: Käse von Almbauern, Kräutertees aus eigenem Anbau.

Besonders empfehlenswert ist der Besuch eines Wochenmarkts. In Schladming findet jeden Donnerstagvormittag ein kleiner Markt mit regionalen Direktvermarktern statt, auf dem Honig, Wurst und Käse aus dem Ennstal angeboten werden.

Kurzer Überblick: Sommer versus Winter

Kriterium Sommer Winter
Übernachtungspreise Deutlich günstiger Hochpreissaison
Besucheraufkommen Ruhiger, weniger Andrang Sehr hoch
Hauptaktivitäten Wandern, Radfahren, Seen Skifahren, Langlauf
Gondelbetrieb Sommer-Seilbahn aktiv Vollbetrieb Ski
Hütten geöffnet Mehrheitlich ja Nur ausgewählte

Ausflüge in die Umgebung

Schladming liegt günstig für Tagesausflüge. Der Dachstein, mit dem Dachstein-Gletscher und dem bekannten Hängesteig, ist in etwa 45 Minuten Fahrzeit erreichbar. Hallstatt am Hallstätter See liegt rund 60 Kilometer entfernt und lässt sich gut mit einem Nachmittag am Gosausee verbinden. Wer kulturell unterwegs sein möchte, findet in Schladming selbst das Stadtmuseum mit einer Dauerausstellung zur Geschichte des Bergbaus und des Skisports in der Region.

Auch Salzburg ist mit dem Auto in knapp 90 Minuten erreichbar, per Bahn dauert die Fahrt über Bischofshofen etwas länger, ist aber bequem zu bewältigen. Wer also in der Region übernachtet und einzelne Stadtbesuche plant, hat von Schladming aus gute Verbindungen in mehrere Richtungen.

Wann die Reise sinnvoll ist

Die beste Reisezeit für einen Sommerbesuch liegt zwischen Mitte Juni und Mitte September. Vor dem 15. Juni können oberhalb von 2.000 Metern noch Schneereste die Wege behindern, nach Mitte September werden einige Hütten geschlossen und die Tage kürzer. Juli und August sind die wärmsten Monate, jedoch auch die belebtesten. Wer Ruhe bevorzugt, ist Anfang Juni oder in der zweiten Septemberhälfte besser bedient.

Schladming ist kein Geheimtipp, aber als Sommerziel wird die Region noch immer unterschätzt. Die Kombination aus gut erschlossener Berglandschaft, bezahlbaren Unterkünften und einer Gastronomie mit echtem regionalen Profil macht den Aufenthalt für all jene interessant, die alpine Natur ohne Skizirkus suchen.