Was Robotik im Tourismus leistet

Im Frühjahr, wenn die ersten Kähne wieder ablegen, füllen sich die Gasthöfe in der Region innerhalb weniger Wochen. Zwischen April und Oktober läuft der Betrieb an manchen Wochenenden an der Kapazitätsgrenze, im Januar sitzen an manchen Tagen drei Gäste im Schankraum. Diese Kurve ist das eigentliche Problem der Tourismusgastronomie: Personal wird für Spitzen gebraucht, aber ganzjährig bezahlt.

Genau an dieser Stelle tauchen seit einigen Jahren Maschinen in Betrieben auf, die man dort lange nicht erwartet hätte. Kein Industrieroboter, sondern flache Fahrwagen, die Tabletts durch den Gastraum bringen, und Geräte, die nachts die Flure der Pension abfahren. Der Anlass ist selten Technikbegeisterung. Meistens ist es die Erfahrung, dass eine Servicekraft an einem starken Samstag mehrere Kilometer allein zwischen Küche und Tisch zurücklegt.

Ob sich das für einen Familienbetrieb mit vierzig Sitzplätzen und zwölf Zimmern lohnt, ist eine andere Frage als in einer Hotelkette. Die Antwort hängt weniger am Gerätepreis als am Grundriss und an der Auslastungskurve.

Was Transportroboter im Gastraum übernehmen

Der verbreitetste Einstieg in die Gastronomie sind Serviceroboter, die Speisen und Getränke vom Ausgabepunkt an den Tisch oder in die Nähe des Tisches fahren. Das eigentliche Servieren – Teller absetzen, Gäste ansprechen, nachschenken – bleibt beim Personal. Der Gewinn liegt im Rückweg: schmutziges Geschirr, leere Gläser und Tabletts wandern auf dem Gerät zurück in die Spülküche, ohne dass jemand den Gastraum verlässt. In langgezogenen Häusern mit Terrasse und Biergarten summieren sich diese Wege deutlich, in einem kompakten Schankraum kaum. Wer keinen langen Weg zwischen Küche und Tisch hat, spart auch nichts ein.

Nachtschicht auf Fluren und in Nassbereichen

Beherbergungsbetriebe setzen Robotik eher außerhalb der Gastzeiten ein. Reinigungsroboter fahren nach Mitternacht Flure, Frühstücksraum und Wellnessbereich ab, während das Team am nächsten Morgen die Zimmer übernimmt – also genau den Teil, der Handarbeit bleibt. Für Hofflächen, Zufahrten und überdachte Fahrradstellplätze kommen Kehrroboter infrage, die Laub, Sand und groben Schmutz aufnehmen. In Häusern mit Saalbetrieb ist der Effekt nach Veranstaltungen am größten, weil große zusammenhängende Flächen in kurzer Zeit gereinigt werden müssen und Personal dafür schwer zu bekommen ist.

Wichtig ist dabei die Vorbereitung des Raums. Reinigungsroboter arbeiten nur dann durch, wenn Stühle hochgestellt sind, Kabel weggeräumt wurden und der Ladeplatz frei bleibt. Diese fünfzehn Minuten am Abend gehören zur Kalkulation dazu, sonst bricht der nächtliche Durchlauf ab und am Morgen liegt die Fläche unbearbeitet da. Betriebe, die das Abendritual fest im Schichtplan verankern, berichten von deutlich stabileren Ergebnissen als solche, die es dem Zufall überlassen.

Empfang, wenn niemand am Tresen steht

Kleine Häuser haben selten eine durchgehend besetzte Rezeption. Greeting Roboter und Info-Terminals auf Rädern werden deshalb dort getestet, wo Gäste außerhalb der Kernzeiten ankommen: Sie zeigen den Weg zum Zimmer, erklären Frühstückszeiten oder verweisen auf die Rufnummer der Inhaberfamilie. Humanoide Modelle mit Sprachausgabe wirken auf Gäste zunächst als Attraktion, nutzen sich aber ab, wenn die Antworten nicht wirklich weiterhelfen. Als reines Marketinginstrument trägt sich so ein Gerät in einem Familienbetrieb selten; als Ergänzung zu Schlüsselautomat und Telefon kann es sinnvoll sein.

Wo alte Häuser der Technik im Weg stehen

Ein großer Teil der regionalen Betriebe steckt in historischer Bausubstanz, und die ist für autonome Fahrzeuge unfreundlich. Typische Hindernisse:

  • Stufen zwischen Anbauten und gewachsene Niveauunterschiede
  • schmale Durchgänge, in denen zwei Personen sich schon knapp begegnen
  • Kopfsteinpflaster im Hof und unebene Dielenböden
  • dichte Bestuhlung, die abends mehrfach umgestellt wird
  • Aufzüge, die sich nicht ansteuern lassen, oder gar keine

Dazu kommt ein weicher Faktor: Gäste kommen in eine Region, um Handwerk, Küche und Gastfreundschaft zu erleben. Eine Maschine, die durch den Gastraum surrt, passt nicht zu jedem Konzept. Manche Häuser lösen das, indem Technik nur außerhalb der Gastzeiten arbeitet und im Service sichtbar Menschen bleiben. Wo Robotik dagegen als Sparmaßnahme wahrgenommen wird, schlägt sie auf die Bewertungen durch – und die sind in einer Ferienregion das härteste Zahlungsmittel.

Rechnen mit saisonalen Zahlen

Für die Wirtschaftlichkeit taugt die Jahresdurchschnittsrechnung wenig. Sinnvoller ist der Blick auf die Wochen mit hoher Auslastung: Wie viele Aushilfsstunden fallen dort an, wie viele Wege ließen sich verlagern, und was kostet eine kurzfristig besetzte Schicht in der Hauptsaison? Erst danach folgt die Frage nach Anschaffung, Miete oder Leasing, wobei mietähnliche Modelle für Saisonbetriebe oft besser passen, weil das Gerät im Winter nicht als Investition stillsteht. Eine strukturierte Übersicht dazu bieten Serviceroboter für Hotel und Gastronomie mit Vergleichskriterien, die auf Grundriss und Einsatzbereich abstellen statt auf Datenblattwerte allein.

Für Reinigungsroboter fällt die Rechnung häufig klarer aus als für den Gastraum, weil sich Flurflächen, Saal und Frühstücksraum in Quadratmetern und Reinigungsintervallen ausdrücken lassen. Beim Transport im Service hängt alles am Weg, und der ist in jedem Haus anders.

Interessant ist außerdem, was aus benachbarten Branchen herüberwandert. In Freizeitanlagen und auf Campingplätzen werden bereits Inspektionsplattformen erprobt, darunter Roboterhunde, die Technikbereiche und weitläufige Außenanlagen kontrollieren. Für einen Gasthof ist das aktuell keine Option, zeigt aber, wie breit die Kategorie inzwischen ist.

Wer den Einstieg sucht, beginnt am besten mit einer einzigen konkreten Strecke oder Fläche und misst über eine Saison, was sich tatsächlich verändert – nicht an Gerätestunden, sondern an Überstunden, Krankheitstagen und Rückmeldungen der Gäste. Kommt am Ende der Saison heraus, dass der Service ruhiger lief und das Team abends weniger erschöpft war, hat sich die Anschaffung gelohnt. Bleibt der Effekt aus, ist die Strecke schlicht zu kurz gewesen, und das Geld ist besser in Personal investiert.

Über robo-guru.de

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit robo-guru.de, einem herstellerunabhängigen Vergleichs- und Beratungsportal für gewerbliche Robotik. Dort werden Reinigungsroboter, Serviceroboter, Transportroboter sowie humanoide Modelle nach einheitlichen Kriterien gegenübergestellt. Ein Roboter-Finder, ein ROI-Kalkulator und Praxisberichte aus Büro, Industrie, Handel, Hotellerie und Gesundheitswesen unterstützen bei der Auswahl.

Mehr dazu unter Serviceroboter für Hotel und Gastronomie

Hinweis: Die Inhalte dieses Beitrags dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Fach-, Rechts- oder Steuerberatung. Angaben zu Technik und Wirtschaftlichkeit beziehen sich auf den Stand der Veröffentlichung.